kein guter Tag für Forschung und deren Veröffentlichungen?

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Zumindest wenn es nach der NZZ geht. Einen “Bärendienst” nennt sie gegenwärtige Bestrebungen von  Wissenschaftsverlagen, die den freien Zugang zu Informationen versuchen zu blockieren versuchen. Andererseits ist das klar, denn denen steht oft das Wasser bis zum Hals.Das Internet ermöglicht theoretisch einen freien Zugang zu Daten und Forschungsresultaten an jedem beliebigen Ort der Welt. Für die Forschung werden damit mehrere Fliegen auf einen Schlag erledigt: Zum einen können die mit öffentlichen Geldern finanzierten Forscher ihre Resultate sofort weltweit zugänglich machen und dadurch andere Forschungen und Innovationen anstossen. Zum anderen wird es ihnen ermöglicht, mit Volltextsuchen wie Google Scholar die verstreuten Informationen überhaupt zu finden und zu gebrauchen. Den wissenschaftlichen Verlagen ist der freie Informationsaustausch allerdings ein Dorn im Auge. Wie zwei Beispiele aus jüngster Zeit zeigen, gehen sie mit politischen und rechtlichen Mitteln gegen die Open-Access-Bewegung vor.

In den USA ist der freie Zugang zu Forschungsresultaten zumindest in der biomedizinischen Literatur Realität. Seit 2008 verlangt das National Institute of Health (NIH), dass alle wissenschaftlichen Arbeiten, die durch diese Institution gefördert wurden, spätestens nach einem halben Jahr über das hauseigene Archiv «PubMed Central» frei zugänglich sind. Diese Errungenschaft will die am 16. Dezember 2011 im amerikanischen Kongress eingegebene Gesetzesvorlage «Research Works Act» wieder rückgängig machen. Sie will verbieten, dass die Gewährung von öffentlichen Fördermitteln an die Bedingung geknüpft wird, dass die Forschungsergebnisse auf frei zugänglichen Plattformen publiziert werden. Die Gesetzesvorlage wurde von den Kongressabgeordneten Darrell Issa und Carolyn Maloney mit der Begründung eingereicht, dass mit der NIH-Bedingung Wissenschaftsverlage nicht mehr überlebensfähig seien. Wie inzwischen bekanntwurde, ist der Wahlkampf von Maloney durch Spenden des Wissenschaftsverlags Elsevier unterstützt worden.

Fast zur gleichen Zeit, am 19. Dezember 2011, haben die Wissenschaftsverlage Elsevier, Thieme und Springer eine Klage beim Zürcher Handelsgericht eingereicht, mit welcher der ETH-Bibliothek verboten werden soll, ihren Dokumentenlieferdienst in der heutigen Form weiterzuführen. Über diesen Dienst können Kunden der ETH-Bibliothek die elektronische Zusendung von Artikeln aus wissenschaftlichen Zeitschriften verlangen. Die Kopien dürfen nur für den internen Gebrauch verwendet und nicht weitergegeben werden. Zudem entrichtet die ETH-Bibliothek der Verwertungsgesellschaft Pro Litteris eine jährliche Vergütung. Die klagenden Verlage wollen diese Dienstleistung mit der Begründung verbieten, dass sie diese Artikel selbst online anbieten, allerdings in der Regel für ungefähr 30 Euro pro Artikel, ein Vielfaches dessen, was der Bezug durch die ETH-Bibliothek kostet.

Mit ihrer Klage wollen die Wissenschaftsverlage eine Regelung des schweizerischen Urheberrechtsgesetzes unterlaufen, die das auszugsweise Kopieren aus Zeitschriften ausdrücklich erlaubt. Diese Regelung ist, im Vergleich etwa zur Situation in Deutschland, wo derartige Kopien verboten sind, ein eindeutiger Standortvorteil für den Forschungsplatz Schweiz.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen spielen in der Forschung eine zentrale Rolle. Deshalb stellt sich die Frage, ob die Verlage der Wissenschaft nicht einen Bärendienst erweisen. Das Vorgehen der Verlage erstaunt auch deshalb, weil sie in einem rechtlichen Sinne weder die Urheber noch die Qualitätskontrolleure der von ihnen publizierten Arbeiten sind. Der Forschungsförderer bezahlt nämlich nicht nur die ganze Forschung, sondern auch die wissenschaftliche Beurteilung von Fachartikeln, die meist durch Fachleute in solchen Forschungsinstitutionen erfolgt. Die Verlage bekommen also ein fertiges und extrem hochwertiges Produkt, das sie formatieren und vertreiben. Mit der Umstellung auf elektronische Publikationsformen ist ein erheblicher Teil der mit diesem Vertrieb verbundenen Kosten weggefallen. Trotzdem sind die Abonnementspreise dieser Zeitschriften von Jahr zu Jahr rasant gestiegen. Damit unterstützten die Verlage eigenhändig die Open-Access-Bewegung, gegen die sie nun vorgehen.

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2 Responses to “kein guter Tag für Forschung und deren Veröffentlichungen?”

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