Romney; Zahnarzt Ed Holliday und der Coup im Süden

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Der 51-jährie Zahnarzt Ed Holliday zählt sich zu denjenigen Konservativen, die noch unentschlossen sind. Er hält Gingrich für einen Visionär, zweifelt aber, ob er im November gegen Obama eine Chance hätte. 

Die Konservativen innerhalb der Republikaner können sich nicht einigen, wer ihr Favorit ist. Das hilft einem Kandidaten, den die meisten von ihnen erst recht nicht wollen: Mitt Romney.

Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts hat plötzlich Siege in den Südstaaten Alabama und Mississippi in Reichweite, die noch vor Wochen für ihn unmöglich schienen. Das verdankt er vor allem der Spaltung der dort vorherrschenden Konservativen.

Getty Images

Spürt Aufwind aus dem Süden: Mittt Romney, hier am vergangenen Dienstag in Boston.

Rick Santorum und Newt Gingrich hindern sich bisher gegenseitig daran, zum Alternativkandidaten zu Romney aufzusteigen. So lange sich beide noch im Rennen befinden, kann wohl keiner die Delegiertenzahl von Romney überholen. „Das wird richtig eng”, sagt Mike Maynard, republikanischer Kreisvorsitzender in Tupelo, Mississippi.

Der 51-jährie Zahnarzt Ed Holliday zählt sich zu denjenigen Konservativen, die noch unentschlossen sind. Er hält Gingrich für einen Visionär, zweifelt aber, ob er im November gegen Obama eine Chance hätte. Santorum sei wählbarer, müsse aber ein besserer Redner werden. „Mein Herz will Newt, mein Kopf will Santorum”, sagt Holliday. Das sei das Dilemma der Tea Party. „Wir haben es nichts geschafft, uns um eine Person zu scharen”.

Gingrich und Santorum haben sich wiederholt gegenseitig aufgefordert, das Rennen aufzugeben. Beide argumentieren, der jeweils andere habe ihm Siege gestohlen und verhindert, dass er der Herausforderer Romneys werde.

Komplexe Verteilungsregeln

Santorum und seine Berater erklärten etwa, sie hätten in Michigan und Ohio gewonnen, wenn Gingrich nicht angetreten wäre. In diesen beiden Staaten wie auch in Alaska hätten beide, wenn man ihre Stimmanteile zusammenlegt, den Sieger Mitt Romney locker überflügelt. Aber in den weiteren 14 Staaten, die Romney gewonnen hat, hätte auch das nicht gereicht.

Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, erklärte am Sonntag, er habe nicht die Absicht, aufzugeben. In der Fernsehsendung „Face the Nation” auf CBS sagte er, „bis Tampa durchzuhalten”. Dort findet im August der Parteitag der Republikaner statt. Bisher hat er erst zwei Staaten gewonnen. Am vergangenen Wochenende wurde er Dritter in Kansas und Vierter in Wyoming. Ein gutes Abschneiden am Dienstag ist für ihn überlebenswichtig.

Santorum wollte am Sonntag Gingrich nicht direkt zur Aufgabe auffordern. In der Sendung „Meet the Press” auf NBC sagte er aber, ein Kampf nur mit ihm gegen Romney stelle sicher, „dass wir einen Konservativen nominieren”. Er hoffe, dazu werde es „früher oder später” kommen. Der ehemalige Senator von Pennsylvania fügte hinzu: „Ich fordere niemanden auf, in das Rennen ein- oder auszutreten. Ich habe Gingrich nicht dazu gebeten, ich lade ihn auch nicht wieder aus”.

Die komplexen Verteilungsregeln für die Delegierten machen es Romney rechnerisch unmöglich, vor Mai die benötigte Delegiertenzahl zu erreichen. Andererseits haben seine Rivalen auch kaum eine Chance, seinen Vorsprung einzuholen.

Video auf WSJ.com

GOP presidential candidate Rick Santorum criticized rivals Mitt Romney and Newt Gingrich during his campaign swing through Tupelo, Mississippi Sunday. (Video: NewsCore/Photo: Getty Images)

Dieses Paradox wurde auch am Wochenende wieder deutlich. Santorum sicherte sich am Samstag den scheinbar größten Preis, die Vorwahlen in Kansas, mit großem Vorsprung. Andererseits sammelte Romney wieder mehr Delegierte ein, indem er in Guam, den Nördlichen Marianen und Wyoming gewann. Sein zweiter Platz in Kansas brachte ihm weitere sieben Wahlmänner.

Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AP hat Romney momentan 454 Delegierte auf seiner Seite. Dahinter folgen Santorum mit 217, Gingrich mit 107 und Ron Paul mit 47. 1.144 Delegierte sind nötig, um die Nominierung zu sichern.

Santorum verschärfte unterdessen seine Angriffe auf Romney am Sonntag in Tupelo: „Gouverneur Romney verwendet seine gesamte Zeit darauf, der Presse Delegiertenarithmetik beizubringen, und nicht darauf, seine Visionen für die Präsidentschaft zu erklären”-

Das konservative Herz von Mississippi

Santorum könnte es in den beiden Südstaaten schaffen, sich als die konservative Alternative zu Romney zu positionieren. Aber wohin er sich auch wendet, er muss immer dieselbe Zielgruppe ansprechen wie auch Gingrich.

Mark Thornton, ein Buchhalter aus Tupelo, erklärte, er unterstütze Gingrich, auch wenn er nicht erwarte, dass dieser als Präsidentschaftskandidat nominiert wird. Er sorgt sich um Santorums Abstimmungsverhalten bei der Bildungsreform. „Was er gesagt hat und wie er abgestimmt hat, haben sich oft widersprochen”, so Thornton am Sonntag nach dem Gottesdienst. „Das ist Heuchelei. Ich bin kein Fan von ihm.”

Tupelo, im Nordosten von Mississippi gelegen, ist das konservative Herz eines der konservativsten Staaten Amerikas. Bekannt wurde die Stadt als Geburtsort von Elvis Presley. Das Haus seiner Familie am Rand der Stadt ist die größte Touristenattraktion des Staates. Ansonsten ist Tupelo ein Zentrum der Möbelindustrie, und im vergangenen Herbst öffnete ein Toyota-Werk seine Pforten.

Hier startete Don Wildmon in den 1970er Jahren seine Kampagne gegen vermeintliche Anstößigkeiten im Fernsehen. Er hat mittlerweile seine Unterstützung für Gingrich erklärt.

Andererseits hat der Stadtrat von Tupelo 2009 dem freien Verkauf von Bier und Wein 2009 mit knapper Mehrheit zugestimmt. In Mississippi scheiterte im vergangenen Jahr auch eine Volksabstimmung, durch die der Schutz von ungeborenen Kindern gestärkt worden wäre.

Der Gouverneur des Staates, Phil Bryant, ist eine der Führungsfiguren der Tea Party. Völlig überraschend verkündete er jedoch in der kommenden Woche, dass er Romney unterstütze. „Romney wird hier besser abschneiden als die Leute denken”, sagt der Bürgermiester von Tupelo, Jack Reed.

Auch das Wahlkampfteam von Romney scheint auf einmal in den Südstaaten Morgenluft zu wittern. In letzter Minute wurde für den Montag noch ein Auftritt in Alabama angesetzt. Seine Frau Ann tritt hier am selben Tag gleich drei Mal auf die Bühne. Alabama gilt als das einfachere Ziel für Romney. Hier gibt es mehr Städte, wo Romney bei Wirtschaftsführern und Angestellten punkten kann.

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