Zu Gast im Gruselkabinett der Zahnärzte

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Es sieht aus wie beim Zahnarzt des Vertrauens, riecht aber anders. Die alten Ausstellungsstücke des Linzer Zahnmuseums haben ihren ganz eigenen Geruch. Für heutige Verhältnisse wirkt alles, was früher normal war, wie ein Folterinstrument.

Auf einem Baderstuhl (um 1720) möchte man nach Möglichkeit nicht behandelt werden. Ein schlichter, instabiler Holzsessel, von dessen Lehne eine Metallstange mit einer kleinen Kopfstütze absteht. „Damals musste der Zahnarzt im Stehen arbeiten, das hat sich Gott sei Dank bald geändert“, erzählt Gottfried Bachner, Organisator und Vizepräsident des Vereins Zahnmuseum. Entlang der Schaufenster sind Nischen durch weiße Vorhänge voneinander getrennt. Sie zeigen, wie sich die Behandlungsräume und Geräte im Lauf der Zeit gewandelt haben.

In der „Altwiener Nobelpraxis“ gab es immerhin schon einen Spot, den der Zahnarzt auf das Gebiss des Patienten richten konnte. Der schwarze, gepolsterte Sitz und das Spuckbecken mit Marmorplatte machen tatsächlich einen noblen Eindruck. Ein hohes Surren, fast schon ein Pfeifen, erklingt, als Bachner einen der ersten elektrischen Bohrer einschaltet. Dieses Geräusch ruft wohl bei jedem ein mulmiges Gefühl hervor. Der Linzer selbst verbindet mit Zahnärzten viel Positives, wie er erzählt. „Ich habe 40 Jahre lang Ordinationen geplant und mit technischem Equipment ausgestattet. Ich kannte sicher rund 70 Prozent der Zahnärzte in Oberösterreich.“ Mit den Röntgengeräten, die im Zahnmuseum ausgestellt sind, kennt sich der 65-Jährige aus. Bei einem Gerät musste der Patient stehen, ein anderes wirkt wie ein umgebauter Sessellift: Metallstangen vor dem Körper, zusätzlich eine Halterung für das Gesicht. Gegenüber beherbergt ein unscheinbarer Setzkasten ein Sammelsurium an schiefen, mehrfach verwurzelten Backenzähnen (Bild rechts).

An Zähne erinnern sollen die speziell designten Vitrinen des Museums. Grausige Gebisse, bunte, kuriose Zahnpflegeartikel für Kinder, Porzellanzähne und Folterinstrumente, wie der Zahnbrecher, sind ausgestellt. Bei dessen Anblick pressen sich die Lippen stärker aufeinander. Ein Holzgriff mit einem sichelartigen Metallstück, mit dem Zähne regelrecht ausgehebelt wurden – angesichts solcher Geräte kommt unweigerlich ein Gedanke: Früher war also doch nicht alles besser.

 

Zahnmuseum Linz

Nächste Woche öffnet das neue Zahnmuseum seine Türen. Bis 2003 war die Ausstellung im AKH untergebracht, dann im Alten Rathaus. Dreieinhalb Monate wurde nun an der Adaptierung der neuen Räume im Alten Rathaus gearbeitet. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr; Anmeldung im Stadtmuseum Genesis

Historie

1720 Der Patient sitzt auf dem Baderstuhl, einem einfachen Holzsessel mit kleiner Kopfstütze. Der Zahnarzt steht daneben und bedient den Tretbohrer mit dem Fuß. Der Bader war damals zusätzlich Kosmetiker und Chirurg.

1900 In der vornehmen „Altwiener Nobelpraxis“ muss der Zahnarzt nicht mehr stehen, der Sessel für Patienten ist gepolstert. Ein Spot beleuchtet das Gebiss für bessere Sicht.
1930 Ende der 30er Jahre befindet sich in der Praxis neben dem Behandlungsstuhl ein Röntgengerät.
1960 Leuchten und Bohrer auf Schwenkarmen etablieren sich. Die Sitze der Patienten sind zurückgeneigt, um es für den Zahnarzt einfacher zu machen.
1968 Im Chayes-Sessel liegen Patienten bequem und fast waagrecht. Absauggeräte gehören zur Standardausrüstung.
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5 Responses to “Zu Gast im Gruselkabinett der Zahnärzte”

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