Zahnärztin kennt keine Grenzen

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Bild: privat

Vier Wochen lang war Dr. Meike Büschken in Sambia als Zahnärztin unterwegs.Bild: privat
Langenberg (gl) – Das Donnern der Viktoria-Fälle oder der Sambesi, der seine Wassermassen an einer atemberaubenden Landschaft vorbei ziehen lässt, Meike Büschken hat bei ihrem Aufenthalt in Afrika viel gesehen. In Erinnerung werden ihr aber vor allem die Arbeitsbedingungen bleiben, mit denen die Zahnärztin bei ihrem Hilfseinsatz zu kämpfen hatte.

 Eine Zahnarztversorgung, wie sie hierzulande als selbstverständlich hingenommen wird, gibt es in Sambia nicht. Krankenhäuser mit einer zahnärztlichen Station gibt es nur eine handvoll, von einem flächendeckenden Zahnärztenetz ganz zu schweigen. „Die Regierung tut in dieser Hinsicht recht wenig“, erklärt Meike Büschken, die in der Zahnarztpraxis Theunissen tätig ist. Von daher hieß es für die 28-Jährige und ihren früheren Studienkollegen Marc Reese, für das Projekt „Zahnärzte ohne Grenzen“ nach Afrika zu fliegen und sich dort mit den Begebenheiten anzufreunden – und das Beste daraus zu machen.

Mit dem Jeep haben sich Meike Büschken und Marc Reese bei ihrem vierwöchigen Einsatz im Siavonga-Distrikt Tag für Tag aufgemacht, den Menschen vor Ort zu helfen. Mit dabei hatten sie immer ihre mobile Einsatzstation. Als tragbare Zahnarztpraxis dürfe man sich dies aber nicht vorstellen. „Im Grunde waren das nur zwei Liegestühle, Desinfektionsmittel, Anästhetika, Zange und Hebel“, sagt Meike Büschken. Mehr Material hätten sie allerdings auch nicht gebraucht, wie die Zahnärztin erläutert: „Zu 99 Prozent haben wir schmerzende Zähne gezogen. Zur Kontrolle kam natürlich niemand.“

Mit Scheu der Einheimischen vor den fremden Weißen oder Angst vor dem Zahnarzt wurden die ehrenamtlichen Mediziner bei ihrem Hilfseinsatz nicht konfrontiert. Ganz im Gegenteil. „Manchmal haben die Menschen tagelange Gewaltmärsche mit Kind und Kegel inkauf genommen, um sich von uns behandeln zu lassen. Wenn wir dann nach stundenlanger Fahrt mit dem Jeep über Sandpisten im Dorf angekommen sind, haben dort schon 50 Leute auf uns gewartet und uns freudig begrüßt“, erinnert sich die gebürtige Hammerin.

Es seien vorwiegend Erwachsene gewesen, die sich mit schmerzenden Zähnen manchmal regelrecht zur Dorf-Krankenstation geschleppt hätten. „Die Kinder hatten erstaunlich gute Zähne“, sagt die junge Ärztin. Bei ihnen habe sie nur selten zu Zange und Hebel greifen müssen. „Weil es im Busch keine Cola, Fanta oder Süßigkeiten gibt“, ist sich die in Langenberg tätige Medizinerin sicher.

Glatt lief bei Meike Büschkens Hilfseinsatz im sambischen Siavonga-Distrikt aber nicht alles. Mal sei der Generator für Strom ausgefallen, mal habe das Team Betäubungsspritzen zur Sterilisation über offenem Feuer abkochen müssen und machmal sei der Ansturm auf die Zahnärzte einfach zu groß gewesen. So habe die blonde Zahnärztin in einem Dorf, nachdem sämtliche Betäubungsspritzen gesetzt und kein weiteres Anästhetikum mehr vorhanden war, einer Frau mehrere Zähne ohne Schmerzlinderung ziehen müssen. „Die Frau war mit zwei Kindern zwei Tage lang zu uns marschiert und wollte daher auch nicht ohne Behandlung zurück in ihr Dorf“, erläutert Meike Büschken. Ohne mit der Wimper zu Zucken habe die Frau die Prozedur über sich ergehen lassen.

Regelrecht traumatisiert worden sei die in Langenberg tätige Zahnärztin von mehreren Erlebnissen mit Kindern. Grund dafür waren Kommunikationsschwierigkeiten. Da Meike Büschken natürlich kein Tonga – die Sprache der Einheimischen – spricht, und viele Kinder nur sehr schlecht mit der englischen Sprache zurechtkämen, sei es mitunter nicht leicht gewesen, schmerzhaftes Zähneziehen oder das Spritzensetzen zu erklären. Viele Kinder hätten beim Anblick der großen Betäubungsspritze wild um sich geschlagen. In einem Land mit hoher HIV-Rate für die behandelnden Ärzte keine ungefährliche Angelegenheit, wie die junge Medizinerin sagt.

Trotz aller Schwierigkeiten bereue sie ihren Einsatz auf dem schwarzen Kontinent in keiner Minute. „Ich würde es jederzeit wieder so machen“, sagt Meike Büschken wieder Zuhause. Sie sei sich aber im Klaren, dass sie und ihre Mitstreiter nicht allen Menschen im fernen Sisvonga-Distrikt helfen können. „Zu wissen, dass überhaupt Hilfe ankommt, fühlt sich aber schon gut an“, sagt die 28-Jährige.

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