Rheine: 9 von 10 Zahnärzten wollen Positiven nicht behandeln

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Die Aids-Hilfe Münster kritisiert irrationale, diskriminierende und pflichtverletzende Verhaltensweisen von Zahnärzten in Rheine: Auf telefonische Nachfrage hätten neun der zehn Praxen der Ems-Stadt erklärt, einen HIV-positiven Patienten nicht oder nur als Notfall beziehungsweise am Abend behandeln zu wollen. Dies berichtet die Münstersche Zeitung. Anfang Juli habe sich ein HIV-positiver Mann aus Rheine an die Aids-Hilfe Münster gewandt, ob diese einen Zahnarzt in seinem Wohnort kenne, der ihn behandeln würde, heißt es in dem Artikel vom vergangenen Freitag. “Sein bisheriger Zahnarzt hatte eine weitere Behandlung aufgrund der HIV-Diagnose abgelehnt”, erklärte Aids-Hilfe-Mitarbeiter Ulrich Besting. Er und seine Kollegen setzten sich daraufhin ans Telefon und fragten bei zehn Zahnärzten aus Rheine an. Das erschreckende Ergebnis: Nur ein einziger erklärte sich ohne jede Einschränkung bereit, den positiven Mann zu behandeln. “Der Zahnarzt wies darauf hin, dass er ohnehin jeden Patienten so behandeln müsse, als sei er mit HIV oder Hepatitis infiziert”, lobte Besting die Reaktion.

Die Ängste der anderen neun Ärzte nannte der Mitarbeiter der Aids-Hilfe Münster “irrational” und “diskriminierend”: Er verwies auf eine Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts, nach der die “routinemäßig erforderlichen Hygienemaßnahmen” auch bei bekannt HIV-positiven Zahnarzt-Patienten genügen und es keine Notwendigkeiten für Behandlungstermine am Ende eines Sprechtages besteht. “Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen, sind aufgrund der modernen Therapien kaum noch infektiös”, erklärte Besting zudem gegenüber der Münsterschen Zeitung.

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Bei Verstößen gegen die Behandlungspflicht kann ein Arzt seine Approbation verlieren

“Grundsätzlich müssen solche Patienten behandelt werden”, erklärte auch Anne Sandfort, Justiziarin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Verstoße ein Arzt gegen diese Behandlungspflicht, könne er seine Approbation verlieren. Das Verschieben der Behandlung auf die Abendstunden hält sie allerdings für legitim. Bei HIV-positiven Patienten sei das Bemühen um besondere Vorsicht “verständlich”, wird Sandfort in der Münsterschen Zeitung zitiert.

Die Behandlungsverweigerungen aus Rheine sind kein Einzelfall. Seit Jahren gibt es immer wieder Berichte über Ängste von Zahnärzten, HIV-Positive zu behandeln. Auf queer.de hatten wir zuletzt über einen Fall aus Osthofen bei Worms berichtet, wo eine Praxis einen 38-Jährigen abgewiesen hatte, nachdem er die Arzthelferin per Fragebogen über seine HIV-Infektion informiert hatte.

Angesichts der Reaktionen der Zahnärzte in Rheine ist dem HIV-positiven Blogger Ondamaris nun die Geduld geplatzt. “Es reicht”, heißt es in seinem Artikel vom Montag, in dem er ein Ende “dieser Stigmatisierung und Behandlungsverweigerung durch Zahnärzte” fordert. Rhetorisch fragt der Blogger: “Oder wird es Zeit, dass HIV-Positive den Deutschen Zahnärzte-Tag aufmischen, hier ihren Protest deutlich hörbar machen?” Der nächste Deutsche Zahnärztetag findet am 9. und 10. November 2012 in Frankfurt statt – kurz vor dem Welt-Aids-Tag. (cw)

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