Sieben Jahre Haft für schweren Raubüberfall auf Zahnarzt

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Das Bonner Landgericht hat zwei Angeklagte wegen schweren Raubüberfalls zu sieben bzw. vier Jahren verurteilt. Außerdem wurde die Unterbringung der Verurteilten in eine Entziehungsklinik angeordnet. Die Männer hatten ein Zahnarzt-Ehepaar aus Bonn im April mit Messern angegriffen

„Diese Tat ist mitunter das Schlimmste, was man tun kann.“ Klaus Reinhoff, Vorsitzender Richter der 3. Großen Strafkammer, ging gestern nicht nur in der Urteilsbegründung hart mit den beiden Angeklagten ins Gericht, die ein Arztehepaar überfallen hatten. Das Bonner Landgericht hat zwei 47 und 34 Jahre alte Junkies zu hohen Haftstrafen verurteilt: Wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes wurden der Ältere mit sieben Jahren, der Jüngere mit vier Jahren Haft bestraft. Mit dem Urteil wurden die Anträge der Staatsanwaltschaft von sechs und dreieinhalb Jahren übertroffen.

„Sie haben mit Ihrer Sucht bereits so viele Schäden angerichtet“, hielt Reinhoff ihnen vor. Allein 27 Vorstrafen hat der Ältere, bei dem Jüngeren gab es zum Zeitpunkt des Raubüberfalls gleich viele offene Strafen, die zur Bewährung ausgesetzt waren und die jetzt alle widerrufen werden können. Zahllose Chancen seien ihnen immer wieder gewährt worden: Entgiftungen in Kliniken, Methadon-Programme, Einrichtungen mit betreutem Wohnen, Arbeitsmaßnahmen, Eingliederungsversuche, um sie aufzufangen. Aber nichts hat geholfen. Immer wieder wurden beide rückfällig. So auch am 22. April: Weil sie „schnell Geld für Drogen“ brauchten, kam es an diesem Tag zu dem „zufälligen“ Verbrechen an einem Zahnarzt und seiner Ehefrau.

„Es ist das Schlimmste, einen Menschen in der eigenen Wohnung zu überfallen, der mit nichts Bösem rechnet“, so Reinhoff im Urteil. So war es auch bei den Eheleuten, die in der Küche am Abendbrottisch saßen, als es gegen 19.45 Uhr klingelte. Ohne Argwohn ging der 69-jährige Mediziner an die Haustür. Er wurde sofort überwältigt, bekam ein Messer in die Seite gedrückt und wurde in die Knie gezwungen. Auf allen vieren musste er in sein Büro krabbeln, wo er aus einem Umschlag 5500 Euro zog und die Scheine auf dem Fußboden ausbreitete, während in seinem Rücken der ältere Täter mit dem Messer stand. Schließlich wurde der Zahnarzt mit einem Lampenkabel gefesselt. Die Täter nahmen noch den Autoschlüssel und flüchteten mit dem Pkw der Eheleute.

Das Gericht hielt beiden Angeklagten vor, dass sie alt genug seien, „endlich Verantwortung für ihr eigenes Leben“ zu übernehmen. Es könne nicht sein, dass „ein gescheiterter Kampf gegen die Drogen dazu führt, dass fremde Leute so einen Schaden nehmen.“ Vor allem auch die Ehefrau, die den Überfall teilweise aus dem Flur und der Küche beobachten musste, ist krank vor Angst. Sie brauchte nicht auszusagen. Der Verlust an Urvertrauen scheint für beide irreparabel. Die Bonner Richter haben für beide Angeklagten zudem die Unterbringung in eine Entziehungsklinik angeordnet. „Was Sie gemacht haben, können Sie nicht wieder gutmachen“, gab Reinhoff den beiden Junkies mit auf den Weg. „Aber Sie können dafür sorgen, dass es in Zukunft anders wird.“

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