«Mit Nobel Biocare muss man wieder rechnen»

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Richard Laube, CEO Nobel Biocare, über ehrgeizige Ziele, Personalentscheide und seinen Marathon

Zürich «Mit Nobel Biocare muss man wieder rechnen», sagt Konzernchef Richard Laube, 56, als Fazit eines ausführlichen Gesprächs. Das Unternehmen, das auf implantatgestützten Ersatz von Zähnen spezialisiert ist, kann nach jahrelangem Krebsgang wieder mit dem Markt Schritt halten. Mittelfristig soll der Konzern gar überdurchschnittlich wachsen, bestenfalls zweistellig. Laube hält deshalb eine Verdoppelung des Aktienkurses für möglich. Anders als beim Basler Erzrivalen Straumann sei keine Restrukturierung nötig.

 

Nach den Halbjahreszahlen hat sich die Nobel-Biocare-Aktie an einer nachgebenden Börse mit einem leichten Plus abgehoben. Die Anleger sahen ihre – tiefen – Erwartungen übertroffen. Zu Recht?

 

Die Investoren beginnen zu realisieren, dass Nobel Biocare den Rückstand gegenüber den anderen Anbietern im Premiummarkt hat überwinden können – die Entwicklung hat bereits im vierten Quartal 2011 eingesetzt. Wir gewinnen langsam verlorene Marktanteile zurück. Das Unternehmen ist auf Kurs, und das spiegelt sich allmählich auch in der Aussenwahrnehmung.

 

In Ihrem Jahresausblick bestätigen Sie das Ziel, mit dem Markt Schritt zu halten. Verwaltungsratspräsident Rolf Watter schreibt im Aktionärsbrief, man wolle «wieder besser als der Markt geschäften». Was gilt: aufholen oder überholen?

 

Zuerst das eine, dann das andere. Der VR-Präsident hat über das Jahr 2012 hinausgeschaut.

 

Also: Wo steht der Konzern in fünf Jahren?

 

Wir wollen zurück zu einem überdurchschnittlichen Wachstum. Wenn wir alles richtig machen und die Wirtschaft sich verbessert, wäre es auch möglich, dass wir doppelt so schnell zulegen wie der Branchendurchschnitt. Konkret halte ich eine Wachstumsrate im oberen einstelligen Bereich oder sogar im tiefen zweistelligen Bereich für realistisch. In harter Arbeit sind wir dabei, die Grundlagen dafür zu schaffen. Mit steigenden Umsätzen wird sich die Profitabilität überproportional entwickeln. Bei einer Bruttogewinnmarge von über 75 Prozent ist die Hebelwirkung stark.

 

Im Mai 2011 haben Sie gleich für zwei Millionen Franken Nobel-Biocare-Aktien gekauft. Heute sind diese halb so teuer.

 

Ein solcher Buchverlust macht natürlich nicht Spass. Ich bin eingestiegen, weil ich überzeugt bin, dass es mit dem Konzern wieder dauerhaft besser wird. Okay, der Zeitpunkt war nicht günstig, aber ich bin mir gewiss, dass sich mein Investment mittelfristig lohnen wird, auch wenn in unserer Branche die hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von einst nicht zurückkehren werden.

 

Die Aktie ist mit einem Minus von 2,9 Prozent aus der Woche gegangen. Die Anleger sagen sich, dass eine Schwalbe noch keinen Frühling macht.

 

Das ist richtig. Wir haben begonnen, unsere Strategie und die dazugehörigen Massnahmen umzusetzen. Erste Erfolge werden sichtbar. Wir werden nachhaltig Mehrwert schaffen.

 

Bleibt Nobel Biocare selbstständig?

 

Wenn ein ernsthaftes Angebot vorliegt, ist der Verwaltungsrat verpflichtet, dieses zu prüfen. Es finden aber keinerlei Gespräche statt. Wir selbst haben Übernahmen analysiert, aber festgestellt, dass damit kaum Geld zu verdienen wäre. In der Branche wird die Konsolidierung aber auch ohne uns weitergehen. Das ist gut für uns, da in diesem Zuge Kapazitäten abgebaut werden.

 

Sie strotzen ja vor Optimismus, laufen Sie nicht Gefahr, Dinge durch die rosa Brille zu sehen?

 

Wie meinen Sie das?

 

Die Semesterresultate haben positiv überrascht, doch sie sind durchzogen. Umsatz in Lokalwährungen, Bruttomarge und Reingewinnmarge waren rückläufig. Dank Kostendisziplin und positiven Währungseffekten liegt der Betriebsgewinn über den Erwartungen.

 

Korrekt. Wir sind noch nicht am Ziel. Was für uns zählt, ist, dass die Richtung stimmt und wir mit Effizienzsteigerungsmassnahmen und Investitionen die Voraussetzungen schaffen, dass der Aufschwung gut abgestützt ist. Gegenüber der Situation von 2010 ist der Fortschritt gross.

 

Seit anderthalb Jahren sind Sie im Amt. Was hätten Sie rückblickend anders gemacht?

 

Gewisse personelle Entscheide hätte ich aus heutiger Sicht zügiger angegangen.

 

Gab es Momente, in denen Sie sich fragten, warum Sie sich das antun?

 

Die Anstrengungen haben uns viel Schweiss gekostet. Anfangs gab es Situationen, in denen ich mir sagte: «Was ist denn das schon wieder!» Inzwischen ist die Zuversicht da: Wir schaffen es.

 

Ein Gerücht besagt, Sie hätten einen befristeten Arbeitsvertrag, 2014 würden Sie sich vom Konzern abwenden.

 

Das ist schlicht und einfach falsch. Die Arbeit macht mir Spass, wir können allmählich die Früchte ernten. Ich bleibe über 2014 hinaus an Bord, wenn der Verwaltungsrat das wünscht.

 

Kehrt nach den vielen Wechseln im Management und im Verwaltungsrat Stabilität ein?

 

Ich habe inzwischen das richtige Team beisammen, im Januar stösst der neue Produktionschef Frank Mengis dazu. Im Verwaltungsrat funktioniert die Zusammenarbeit mit den drei neuen Mitgliedern sehr gut, wie der Präsident in seinem Aktionärsbrief schreibt. Also: Die Turbulenzen sind eine abgeschlossene Geschichte.

 

Seltsam mutet an, dass ein Verwaltungsratsmitglied operative Aufgaben übernimmt – als Verantwortlicher des neu geschaffenen Ausschusses für Effizienzsteigerung.

 

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir Verwaltungsräte haben, die über grosse fachliche und berufliche Erfahrungen verfügen. So im Bereich Prozessoptimierung. Ich sehe deshalb kein Problem darin, wenn ein Verwaltungsrat sein Wissen in die Firma einbringt.

 

Für Ihr Image ist nicht förderlich, dass nicht Sie diesen Ausschuss leiten.

 

Es geht dabei doch darum, was dem Unternehmen hilft und nicht einem Einzelnen. Unser neuer Produktionschef wird die Projektgruppe operativ führen, sobald er an Bord ist. Er kann auf die Unterstützung durch Verwaltungsrat Juha Raisanen zählen, der ein Experte in Themen wie Produktionsprozesse ist.

 

Hängt die Schaffung dieses Ausschusses mit den «Qualitätsproblemen» zusammen, die Sie intern angesprochen haben?

 

Einer unserer vier strategischen Schwerpunkte zielt darauf, die Effizienz zu verbessern, wie wir intern zusammenarbeiten, wie wir unsere Produkte herstellen oder etwa die Kunden bedienen. Hier bin ich mit der Qualität der Prozesse und Abläufe noch nicht zufrieden. Die erwähnte Arbeitsgruppe wird uns dabei helfen.

 

Der Verwaltungsrat verlangt, dass das Geschäft mit den individualisierten Aufbauten «effektiver als bisher in die Strategie einzubinden» ist. Hat Ihnen das Aufsichtsgremium auf die Finger geklopft?

 

Ich bin mit dem Verwaltungsrat absolut einverstanden. Das Problem mit der Prothetik und den Nobel-Procera-Produkten ist ein hartnäckiges, das nun resolut angegangen wird. Das Geschäft mit Einzelkronen und kleinen Brücken, die aufzementiert werden, verschiebt sich seit einiger Zeit zunehmend zu den Zahnärzten und Dentallabors, die solche Produkte selber fräsen. Deshalb geht hier unser Geschäft zurück. Bei den komplexen Aufbauten, die aufgeschraubt werden, wollen wir hingegen kräftig zulegen. Das bedingt unter anderem eine Anpassung des Maschinenparks.

 

Die Musik geht in den Schwellenländern ab. Haben Sie die geeigneten Produkte, um am Boom zu partizipieren?

 

Oh ja, die haben wir. In Brasilien, Russland, Indien und China haben wir jeweils über 20 Prozent zugelegt …

 

… dank der Billiglinie der Tochtergesellschaft Alpha-Biotech.

 

… falsch, ich spreche nur von der Premiummarke Nobel Biocare. Wir mussten aber zum Beispiel in Brasilien lernen, nicht gleich mit dem ganzen Sortiment auffahren zu wollen. Es geht darum, Schritt für Schritt einen Markt aufzubauen. Im Moment verkaufen wir vorwiegend einzelne Komponenten in diesen Märkten wie etwa die Einzelimplantate der Linie Nobel Active. Für komplizierte Lösungen, wie etwa zur Behandlung kompletter zahnloser Kiefer, ist es noch zu früh.

Sie werden viel Ausdauer brauchen. Laufen Sie noch Marathon?

Ich konzentriere mich auf den Nobel-Biocare-Marathon (lacht).

http://www.sonntagszeitung.ch

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