Der Streit um Honorare eskaliert: Die Wut der weißen Kittel

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Ab Dienstag droht Deutschland ein flächendeckender Ärztestreik. Die Mediziner planen, nur noch die gesetzliche Mindestversorgung anzubieten, Patienten an Krankenhäuser zu verweisen und Praxen ganz zu schließen.Das geht aus einer Erklärung von 14 großen Ärzteverbänden hervor, die BILD am SONNTAG vorliegt. Einige Ärzte raten Patienten sogar schon, sich lieber gleich ins Krankenhaus einweisen zu lassen.

Doch warum gehen die Ärzte auf die Barrikaden?

Es geht ums Geld – und das sagen die Ärzte, die BILD am SONNTAG hier zeigt, auch. Am Donnerstag verhandelten Krankenkassen und Ärzte über die Honorare der Mediziner für das kommende Jahr. Während die Ärzte eine Erhöhung der Honorare von elf Prozent forderten, wollten die Krankenkassen sieben Prozent weniger als bisher zahlen. In der entscheidenden Abstimmung im „Erweiterten Bewertungsausschuss“, der die Honorare festlegt, wurden die Ärzte überstimmt.

Heraus kam eine Erhöhung von 0,9 Prozent. Viel zu wenig, finden die Ärzte, denn so werde nicht einmal die Inflation ausgeglichen. Deshalb setzten die Ärzte den Krankenkassen ein Ultimatum für Nachbesserungen bis Montag. Tut sich bis dahin nichts, sollen die laut der Erklärung die Streikmaßnahmen unmittelbar beginnen.

Die Kassen halten mit einem Gutachten dagegen, aus dem sich ergeben soll, dass der Durchschnittsverdienst der Ärzte von 105 000 Euro im Jahr 2007 auf 134 000 Euro im Jahr 2011 gestiegen ist.

Die Ärzte nennen diese Studie unseriös, weil unter anderem Mieterhöhungen und steigende Gehälter für Angestellte nicht berücksichtigt wurden. Außerdem werfen sie den Krankenkassen in ihrer Erklärung Geldverschwendung vor. So sollen 2011 15,6 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen in Höhe von 175 Milliarden Euro auf Bürokratie entfallen sein.

Gestern kochten die Emotionen bei den Medizinern noch einmal hoch: Bei einer Sonderversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) forderten die Ärzte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf, die geplante Honorarerhöhung zu kippen: „Herr Bahr, handeln Sie unverzüglich, sonst wird es für die Versorgung der Menschen in Deutschland problematisch”, sagte KBV-Chef Andreas Köhler und wetterte: „Es ist ein Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands.“

Gleichzeitig kündigten die Mediziner auch eine Klage gegen die Honorarerhöhung an.

Die Bundesregierung ermahnte die Mediziner, den Honorarstreit nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen.

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