Kassenpatienten klagen über teure Zusatzleistungen

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Gesetzlich versicherte Patienten geben im Schnitt 380 Euro jährlich für medizinische Zusatzleistungen aus. Besonders Geringverdiener verzichten deshalb einer Umfrage zufolge oft auf Behandlungen. Viele gesetzlich versicherte Deutsche finden, dass sie zu viel für medizinische Zusatzleistungen ausgeben müssen. Mit der Praxisgebühr hat die Mehrheit aber kein Problem

Durchschnittlich rund 380 Euro geben Kassenpatienten nach den Ergebnissen einer Umfrage im Jahr für medizinische Leistungen aus, die nicht von ihrer Krankenversicherung übernommen werden. Das ist das Ergebnis einer vom Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest durchgeführten repräsentativen Studie unter rund 1100 gesetzlich Versicherten. Auftraggeber der Studie war der private Krankenversicherer Continentale.

Während Frauen 440 Euro im Jahr zahlten, würden Männer im Schnitt nur mit 300 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten, hieß es in der am Dienstag in Dortmund veröffentlichten Studie. Auch Geringverdiener mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 1000 bis 1500 Euro zahlten im Schnitt 325 Euro im Jahr für medizinische Zusatzleistungen.

Neben der Praxisgebühr sei es bei der Umfrage etwa um Zuzahlungen für Leistungen beim Zahnarzt, im Krankenhaus, in Apotheken, bei Heilpraktikern, Haus- und Fachärzten sowie für Physiotherapien und Massagen gegangen, sagte ein Continentale-Sprecher.

Geringverdiener scheuen vor Behandlungen zurück

Nicht erfasst worden seien Kosten für kieferorthopädische Behandlungen und Brillen. Bei den angegebenen Werten handele es sich um persönliche Einschätzungen der Befragten, genaue statistische Werte existierten nicht, so der Sprecher.

Fast jeder dritte Befragte gab an, wegen der fälligen Zahlungen schon Behandlungen, Untersuchungen oder Impfungen unterlassen oder verschoben zu haben. Vor allem Geringverdiener sagten, aus finanziellen Erwägungen auf die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen verzichtet zu haben.

Insgesamt bezeichneten mehr als 80 Prozent das Gesundheitssystem als zu teuer. Für diese Frage waren neben den Angaben der Kassenpatienten auch die Antworten von 167 Versicherten der privaten Kassen ausgewertet worden.

Nur 20 Prozent wollen Prämien-Auszahlung

Für die Zukunft des Gesundheitswesen gab sich die Mehrheit der Befragten eher pessimistisch. Nahezu vier von fünf Befragten (78 Prozent) zeigten sich besorgt, langfristig nicht mehr vom medizinischen Fortschritt profitieren zu können. Gleichzeitig äußerten sich 90 Prozent positiv über die aktuelle medizinische Versorgung in Deutschland.

Trotz der deutlichen Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen will die Mehrheit der Bundesbürger laut einer Umfrage keine Prämien ausgezahlt bekommen.

Nur 20 Prozent sprachen sich in einer Erhebung im Auftrag des Bundesverbandes der Betriebskassen (BKK) für die Barauszahlung der Kassenüberschüsse aus. 74 Prozent würden es vorziehen, das Geld im Gesundheitssystem zu belassen, etwa für Investitionen oder erweiterte Leistungen.

Bahr fordert Auszahlung der Überschüsse

Auch die Praxisgebühr ist für die meisten demnach offenbar kein Thema. Dass aufgrund des überschüssigen Geldes die Praxisgebühr reduziert oder ganz abgeschafft werden sollte, meinen laut Umfrage nur elf Prozent der Befragten. Kantar Health befragte für die repräsentative Studie im Auftrag der BKK im Juni und Juli rund 4000 Bundesbürger ab 14 Jahren.

Die Reserven der gesetzlichen Krankenkassen sind im ersten Halbjahr 2012 auf insgesamt 21,8 Milliarden Euro gestiegen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte die Kassen wiederholt aufgefordert, noch in diesem Jahr ihre Überschüsse in Form von Prämien an die Versicherten auszuzahlen. Zudem will Bahr wie auch SPD und Linke die Praxisgebühr von zehn Euro im Quartal abschaffen, was die Union aber ablehnt.

 

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