die taz und der Kopftuchstreit beim Zahnarzt

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Anfangs sah alles nach klarer Sache aus: böser Zahnarzt diskriminiert armes muslimisches Mädchen, das nur durch das Eingreifen der Antidiskriminierungsstelle überhaupt noch in der Lage ist, seine Religion auszuüben. Die Rollen waren also eindeutig verteilt und so wurde es auch von vielen Medien unreflektiert übernommen. Doch so ganz einfach ist das nicht, und das haben viele Leser schneller durchschaut, wie so mancher Journalist.

Befasst man sich mit dem Urteil genauer, so kommt man zu dem Schluss, dass es dem Zahnarzt gar nicht um Diskriminierung ging,  er wollte die spätere Klägerin unzweifelhaft einstellen und ihr Brücken bauen. Immerhin gibt es so etwas wie Praxis corporate identity – und was noch stärker wiegt, aber gar nicht mal angesprochen wird, Hygienerichtlinien. Aber offensichtlich bricht Arbeitsrecht Hygienebestimmungen. In manchen Bereichen ist es nicht einmal erlaubt, dass Straßenkleidung im gleichen Schrank wie Praxiskleidung untergebracht wird und zu den Feststellungen des Arbeitsgerichts, dass offene Haare nicht minder unhygienisch sind als ein Kopftuch würde ich mal sagen, dass dies sehr gewagt ist. Zudem sind offene Haare ebenfalls nicht gestattet und häufig muss auch in einer Zahnarztpraxis eine OP-Haube getragen werden.

Nur die taz hat sich als mir einzig bekannte Tageszeitung dazu durchgerungen, die Sache etwas weniger reisserisch darzustellen und die Kommentare sind – für ein eher linkes Blatt – beachtlich. Ob das Arbeitsgericht den Betroffenen möglicherweise einen Bärendienst erwiesen hat, sei mal dahin gestellt. Gleiches gilt für die weiteren beteiligten Stellen: “Der Türkische Bund Berlin begrüßte das Urteil. „Es soll Menschen, die Diskriminierung erfahren, ermutigen, sich zur Wehr zu setzen. „Das ist ein Urteil mit Signalwirkung“, so Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.” (taz) Denn  – Hand aufs Herz – welcher Arbeitgeber wird jetzt noch eine 23-jährige Irakerin einstellen? Möglicherweise hat das Urteil noch viel weitreichendere Konsequenzen: die meisten lesen so ein urteil überhaupt nicht, allenfalls die Überschrift und so prägt sich folgendes Muster ein: Kopftuch-Arbeitsgericht-Arbeitgeber zahlt – Finger weg”. Was manche, sich schon von Berufswegen in etwas Hineinsteigerer” gleich wieder als Diskriminierung empfinden, ist tatsächlich reiner Selbstschutz, denn die meisten Kleinbetriebe können sich existenzgefährdende Rechtsstreitigkeiten gar nicht leisten, nicht zuletzt auch, um andere Arbeitsplätze nicht zu gefährden.

Zudem sei die Frage erlaubt, warum in Deutschland islamisches Recht eins zu eins umgesetzt werden muss, in der Türkei z.B. das Kopftuchtragen in öffentlichen Einrichtungen verboten ist?

ebenfalls interessant die taz-kommentare

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