Gaba verlagert komplette Produktion nach Polen

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Schließung der Produktion in Lörrach. Gewerkschaft IG BCE: „Das ist eine Riesensauerei“.

Gaba stellt in Lörrach die Produktion ein und baut dafür 142 Stellen ab. Die Schließung soll im kommenden Jahr erfolgen, dann will Gaba komplett in Polen produzieren. Die Beschäftigten erfuhren am Montagabend von der Stilllegung der Produktion im Lörracher Werk, am Dienstag bestätigte Gaba am Firmensitz in Therwil (Basel-Land) die Pläne. Von Arbeitnehmerseite gab es heftige Kritik. Man werde nicht kampflos hinnehmen, dass der Colgate-Konzern, zu dem Gaba gehört, trotz guter Gewinne Arbeitsplätze abbaue, sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

In einer knappen Erklärung teilte Gaba mit, dass neben den rund 100 Produktionsarbeitsplätzen in Therwil/BL in Lörrach 142 Arbeitsplätze wegfallen werden. Das Unternehmen werde einen Sozialplan vereinbaren und den betroffenen Mitarbeitern Abfindungen und Hilfen bei der Suche nach neuen Arbeitsstellen gewähren. Die Schließung der Produktion in Lörrach und Therwil stehe im Zusammenhang mit einem „globalen Wachstums- und Effizienz-Programm, welche die Colgate-Palmolive Company am 25. Oktober angekündigt hat“, heißt es in der Gaba-Medienmitteilung wörtlich. Weitere Angaben machte Gaba nicht – offenbar bislang auch nicht den Mitarbeitern gegenüber. Gaba wollte auch nicht bestätigen, dass die Produktion nach Polen verlagert wird. Sie bleibe innerhalb von Colgate-Palmolive, sagte eine Sprecherin lediglich.

Gaba bietet derzeit in Lörrach 320 Vollzeitstellen. Die Firma ist aufgeteilt in eine Gaba GmbH als deutsche Dachgesellschaft und in die Gaba Produktions GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Gaba GmbH. Von der Stilllegung betroffen ist derzeit die Gaba Produktions GmbH, von der offenbar alle Beschäftigten den Arbeitsplatz verlieren sollen. Teile des Unternehmens würden weiter in Lörrach arbeiten, deutete die Unternehmenssprecherin an. Das bezieht sich dann offenbar auf Logistik, Vertrieb und Marketing. Die Buchhaltung für die Gaba GmbH soll schon vor einiger Zeit nach Polen verlegt worden sein. Kenner der Materie bezweifeln, ob Lörrach ohne Produktion langfristig ein Vertriebsstandort bleibt. Immerhin: Die Anträge für ein neues Hochregallager, das Gaba derzeit im Gewerbegebiet Entenbad plant, wurden bislang noch nicht zurückgezogen.

Der Mutterkonzern Colgate-Palmolive, zu dem Gaba seit 2004 gehört, hatte erst jüngst angekündigt, trotz eines Gewinnanstiegs weltweit 2000 von 380 000 Stellen abzubauen. Auch bei der deutschen Gaba GmbH gingen die Geschäfte zuletzt gut. Das Lörracher Werk galt als gut ausgelastet. Es wurden 2011 145 Millionen Zahnpastatuben produziert. Im Geschäftsbericht 2011 heißt es, Gaba habe sich gut entwickelt und in Deutschland den Umsatz um 8,5 Prozent auf 200 Millionen Euro (einschließlich der Sondererträge) gesteigert. Der Überschuss betrug nach Steuern 11,6 Millionen Euro. Insider bezeichnen dies zwar als ein gutes Ergebnis, allerdings wird vermutet, dass die Amerikaner höhere Umsatzrenditen erwartet hätten. An diesem Punkt setzt auch die Kritik der Gewerkschaft an.

„Das ist eine Riesensauerei“

„Das ist eine Riesensauerei“, sagte Wilfried Penshorn, der Bezirksge schäftsführer der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Es könne nicht sein, dass der Konzern trotz der Gewinne „ohne Not eine Betriebsverlagerung plant“. Dies würden Gewerkschaft und Betriebsrat „nicht kampflos hinnehmen“, kündigte Penshorn an. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass die Lage des Unternehmens gegenüber der Belegschaft bewusst schlechter dargestellt worden sei, als sie war. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm sagte, sie habe für die Entscheidung „kein Verständnis“. Gaba sollte sich überlegen, ob die Qualität der Produkte, mit der man sich eine besondere Marktstellung erarbeitet habe, nach der Verlegung noch gewährleistet sei.

Man habe als Stadt auch um ein Gespräch gebeten, aber realistischerweise sei es so, „dass die bei Colgate-Palmolive in New York nicht gerade darauf warten, bis die Oberbürgermeisterin von Lörrach auftaucht“. Bislang, so die OB, sei nur die Produktion betroffen. Das wolle sie zwar nicht kleinreden, doch bei anderen Fällen in Lörrach habe es sich als eine Basis für die Zukunft erwiesen, wenn Verwaltung und Vertrieb am Ort geblieben seien.

Persönlich berührt ist auch der frühere Gaba-Geschäftsführer und jetzige Stadtrat Mario Perinelli. „Das ist sehr traurig“, sagte er. Der Produktionsort sei für ein Unternehmen heute nicht mehr ausschlaggebend. Entscheidend sei vielmehr, wie sich die Qualität eines Produkts am Markt behaupte, sagte Perinelli. „Aber ich weiß nicht, ob die Entscheider in New York wirklich wissen, wie in Europa der Markt läuft.“

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