Zahnarzt zwischen James Bond und Big Brother

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Die Daten sind dann über eine Software auch für den Zahnarzt einsehbar. Etwas handfester geht es bei Stefan Lührs zu. Seit mehreren Jahren entwickelt der Notarzt aus Münster Rettungswagen für die verschiedensten Einsatzsituationen.Der Patient der Zukunft ist vernetzt, überwacht und kann seine Daten rund um die Uhr in verschiedene Systeme einspeisen. Um sein Handgelenk trägt er zum Beispiel eine Armbanduhr mit integrierter Handyfunktion. In einer Notfallsituation drückt er einen etwas dickeren Knopf an der schlichten Uhr, die ruft dann bei einer Notrufzentrale des Roten Kreuzes oder bei Angehörigen an. Je nachdem, wie der Besitzer es programmiert hat. Zwischen 450 und 700 Euro kostet die Uhr des Schweizer Herstellers Limmex – James-Bond-Feeling ist da inklusive.

In den Hallen des Düsseldorfer Messegeländes startet am Mittwoch (14. November) die Medica, die weltgrößte Messe für Medizin. Bis zum Samstag (17. November) befasst sich die Messe mit der aktuellen Medizintechnik, der Verbesserung der Notfallversorgung oder der effizienten und personalisierten Patientenversorgung. Aus 64 Ländern kommen die 4.554 Aussteller, die meisten von ihnen aus Deutschland, China und den USA. Neben der Qualitätssteigerung geht es auch um eine verbesserte Effizienz und um Kosteneinsparung bei der medizinischen Versorgung.

Um Spenderorgane länger funktionsfähig zu halten, hat zum Beispiel die US-Firma TransMedics den Transportbehälter OCS (Organ Care System) erfunden, mit denen Herzen und Lungen in einem körperähnlichen Umfeld transportiert und aufbewahrt werden können. Sie werden mit frischem Blut oder einer Nährstofflösung versorgt, arbeiten ähnlich weiter wie in einem menschlichen Körper und bleiben so bis zu 12, beziehungsweise 24 Stunden haltbar. In den USA wird die Entwicklung bereits genutzt, in Deutschland wird damit an der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet. “Wir haben bereits vielversprechende Ergebnisse mit dem OCS erzielen können”, sagt der Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Hochschule, Axel Haverich.

Sensoren in der Wohnung überwachen die Gesundheit

Fast überall auf der Messe geht es um Daten, um Chipkarten und Netzwerke – mit dem Ziel der Personalisierung und der Effizienzsteigerung. Die Telekom stellt ein Notrufsystem vor, das sich ab 2014 jeder in die eigene Wohnung holen könnte. In den Räumen werden Sensoren installiert, die einen Sturz als solchen erkennen können und in einer Notrufstelle Alarm auslösen. Diese kann dann ein Live-Video aus der Wohnung des Gestürzten sehen, Aufzeichnungen vom Unfall aufrufen und den Gestürzten über eine Freisprecheinrichtung ansprechen. Ein bisschen erinnert das an Big Brother, auch wenn der Firmensprecher versichert: “Alle Daten bleiben in der Box.” Der Knackpunkt ist die Software, die erkennen muss, ob ein Mensch tatsächlich gestürzt ist oder sich nur auf den Boden gekniet hat.

Um Daten und deren Analyse geht es auch beim Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der Technischen Universität (TU) München. In eine herkömmliche Zahnschiene haben die Forscher einen Sensor gesteckt. Der erfasst, wenn der Träger mit den Zähnen knirscht. Sofort piept oder vibriert eine kleine Plastikbox, der Empfänger, den der Patient in der Nacht zum Beispiel neben das Kopfkissen legen soll. Dadurch wachen die Betroffenen zwar nicht auf, aber das Unterbewusstsein verarbeitet das Geräusch oder das Vibrieren. “Bereits durch dieses Feedback haben Patienten weniger geknirscht”, sagt Karolin Herzog von der TU. Die Daten sind dann über eine Software auch für den Zahnarzt einsehbar.

Etwas handfester geht es bei Stefan Lührs zu. Seit mehreren Jahren entwickelt der Notarzt aus Münster Rettungswagen für die verschiedensten Einsatzsituationen. Stolz präsentiert er auf der diesjährigen Messe einen Rettungswagen für schweres Gelände. In dem umgebauten VW Amarok mit Allradantrieb habe die nötige medizinische Ausstattung Platz, und das Rettungsteam käme damit an Orte, die sonst nicht zugänglich seien.

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