Gemeinsam zurück in den Alltag, ist das Motto der Selbsthilfegruppe Schlaganfall und Aphasie.

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Etwa 600 Menschen erleiden jährlich im Landkreis Wittenberg einen Schlaganfall. Jeder Fünfte stirbt in den ersten vier Wochen. Die Beschwerden betreffen in der Regel das Bewegen, Sehen, Sprechen, Fühlen und Denken. Mehr als die Hälfte bleibt dauerhaft behindert. Die Selbsthilfegruppe will aufklären. „Ich hatte vor fünf Jahren einen Schlaganfall, es hatte sich zugespitzt, zu viel Stress im Beruf“, sagt Uwe Paul, ist er seitdem erwerbsunfähig. „Meine Zunge war gelähmt, ich habe gesprochen wie besoffen, zuerst bin ich zum Zahnarzt gegangen.“ Plötzlich veränderte sich sein ganzes Leben, Teile seines Körpers waren auf null gestellt, dadurch hat er seine Frau verloren.

Seit 2010 leitet der 54-Jährige die Wittenberger Selbsthilfegruppe Schlaganfall und Aphasie, die 2006 von Alfred Brosch gegründet wurde und heute 25 Mitglieder hat. „Wenn es passiert ist, ist es passiert, dann sollte man sofort mit dem Training beginnen“, sagt Monika Schulze, die für die Finanzen in der Gruppe zuständig ist. Sie erlitt 2008 ein Gehirnödem, während ihres Urlaubs in den USA: „Es passierte völlig unerwartet, ich hatte starke Kopfschmerzen.“ Die heute 57-Jährige hatte Gehirnblutungen und musste sofort operiert werden. Fünf Monate lag sie in Amerika im Krankenhaus: „Dort fühlte ich mich bestens versorgt!“

„Das ist bei jedem anders, meine Frau hatte mit 54 Jahren einen Schlaganfall und lag acht Monate in der Klinik, sie sitzt heute noch im Rollstuhl“, erzählt Wolfgang Bartsch, dass er seine Ehefrau seit 2006 pflegt: „Das kann sich niemand vorstellen, nach fünf Jahren habe ich es geschafft, dass sie wieder allein auf die Toilette gehen kann.“

Ruth Rudloff erlitt vor fünf Jahren einen Schlaganfall, der 87-Jährigen sieht man ihre Behinderung nicht an: „Meine rechte Hand ist gelähmt, mit ihr kann ich nicht mehr zufassen.“ Nach dem Tod ihres Mannes hatte Ruth viele Ausfälle: „Ich lag in der Klinik-Bosse, der Arzt sagte mir, dass ich einen Schlaganfall hatte, ich hatte nichts gemerkt.“ Den Erfahrungsaustausch, die Vorträge und das lockere Beisammensein möchte sie nicht mehr missen.

Seit sechs Jahren besucht Armin Lehmann die Selbsthilfegruppe – mit 47 Jahren der Jüngste. Vor acht Jahren hatte er einen Schlaganfall, mit den Folgen hat er heute noch zu kämpfen: „Hier erfährt man die wirklich wichtigen Sachen, das ist besser, als sich zurückzuziehen.“ Auch Gerhard Hünsch hat vor drei Jahren beschlossen, nach seinem Schlaganfall, den Weg zurück ins Leben nicht allein zu gehen: „Sonst wird man ganz schnell einsam“, sagt der 68-Jährige.

Schlaganfall-Wegweiser soll Betroffenen helfen

Bis zu 70 Prozent aller Schlaganfälle könnten vermieden werden – durch eine gesunde Lebensweise und die rechtzeitige Behandlung von Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und Vorhofflimmern. Welche Probleme beschäftigen die Betroffenen? „Da ist zunächst die Angst vor einem erneuten Schlaganfall“, sagt Uwe Paul, Patienten und Angehörige wissen oft nicht, wie es nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus weitergehen soll. „Aus diesem Grund haben wir einen Schlaganfall-Wegweiser für den Landkreis Wittenberg herausgegeben.“

Die eigenen Erfahrungen der Selbsthilfegruppe sollen anderen Betroffenen helfen, sich besser zurechtzufinden. Erklärt werden alle Arten des Schlaganfalls, die Symptome und die Behandlungsmöglichkeiten. Weiterhin findet man alle wichtigen Adressen: Wo kann ich mich informieren, welche Therapien gibt es und welche Unterstützung steht mir zu? Schlaganfall-Patienten verlieren oft ihren gesamten Bekanntenkreis, viele werden depressiv. „Damit muss man erst einmal zurechtkommen“, rät Uwe Paul, sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden. „Dort findet man neue Kontakte und neue Freunde – Gleichgesinnte halten zusammen.“

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