Zahnarzt wird Kopfgeldjäger

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Trivialisierung der Sklaverei, Respektlosigkeit gegenüber Afroamerikanern: US-Bürgerrechtsaktivisten fordern Boykott von Quentin Tarantinos neuem Film.Quentin Tarantino hat es wieder einmal geschafft. Kaum ist sein Film «Django Unchained» in den Kinos, gibt es heftige Kritik. Und ausnahmsweise konzentriert sich die nicht allein auf die Gewaltszenen – sondern auf Spielzeug: Unter den Merchandising-Artikeln zum Film sind auch Plastikfiguren, den Rollen der Hauptdarsteller nachempfunden. Mehrere davon – Jamie Foxx, Kerry Washington und Samuel L. Jackson – sind Afroamerikaner und spielen Sklaven.

Aus dem Jahr 2007 stammt Sukiyaki Western Django von Takashi Milke, eine wüste Melange der verschiedenen Genres von Italowestern bis Kung Fu und Gangsterfilm, in dem auch Quentin Tarantino einen Auftritt im Poncho
hat, wobei der japanische Regisseur vielleicht um einige Grade zu fröhlich-destruktiv gegen das Genre vorgeht.

Jetzt hat sich der Mann im Poncho, in Anspielung an Clint Eastwood in Sergio Leones Dollar-Trilogie, selber den Italowestern, der immer wieder abschätzig Spaghetti-Western genannt wird, vorgeknöpft und vermischt ihn mit einer guten Portion Blaxploitation unter dem Titel Django Unchained.

Formaler Bluff…

Held der im amerikanischen Süden angesiedelten Geschichte ist ein schwarzer Sklave namens Django (Jamie Foxx), der von einem Zahnarzt und Kopfgeldjäger (Christoph Waltz) befreit wird. Zusammen zieht das Duo in die Schlacht gegen Bösewichte und versucht Djangos Frau zu finden, die auf der Plantage von Calvin Candle (Leonardo DiCaprio) schuftet.

Gegen Ende schliesslich legt Django den Widersacher seiner Frau, zusammen mit einem guten Dutzend Schurken um, jagt das Herrenhaus von Mister Candle mit Dynamit in die Luft und reitet nach zweieinhalb Kinostunden mit seiner Frau glücklich und zufrieden in die Zukunft.

Fazit: Was Django Unchained über den formalen Bluff hinaus unterhaltend macht, sind die Rededuelle und Rollenspiele, in denen die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse zum Teil vor gezogenen Revolvern kulminieren. Doch wie gewohnt bei Tarantino; es sind deren zuviel.

Bester Szenendialog aus drei Sätzen

Die beste Szene: Original-Django Franco Nero, diesmal ohne Sarg mit Maschinengewehr, betritt eine Bar-Theke und fragt den dort stehenden schwarzen Django «What’s your Name?» – «Django, but without spelling the D.» – «I know» erwidert Nero, leert sein Whiskyglas und geht.

Weiteres Detail: Django Unchained wird im Vorspann mit dem Song «Django» aus Sergio Corbuccis Original von 1966 untermalt. Daneben ist Tarantinos Schwäche die mangelnde Ökonomie der Erzählung, der zähe 150 Minuten für eine Story braucht, für die einst Western-Meister wie Howard Hacks oder John Ford und danach Sam Peckinpah höchstens 80 Minuten benötigt hätten, weil sie einfach flüssiger und schnörkelloser inszenieren konnten.

Der bekannte afroamerikanische Regisseur Spike Lee äusserte sich nicht zu unrecht über Tarantinos neuen Film, er sei rassistisch, weil ständig das «N-word» zu hören sei. Das «N-Wort» steht für «Nigger» – eine sehr abwertende Titulierung für Afro-Amerikaner, die es in ihrem Jargon zwar unter sich selbst verwenden, aber sich die Anrede «Nigger» von einem Weissen nie gefallen lassen würden.

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