Zahnarzt-Rekord in Zürich – und die Zahl der Zentren steigt weiter

by

Der Präsident der Kantonszahnärzte sagt, Zürich sei bereits jetzt überversorgt. Und er kritisiert die Qualität vieler Zahnarztzentren.

 

 Im Jahr 2011 praktizierten 687 Zahnärzte und -ärztinnen in der Stadt Zürich. Ein neuer Rekord – 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor. Mit grosser Wahrscheinlichkeit dürfte der Trend anhalten, weil die Zahl der Zahnärztezentren ebenfalls zunimmt. Das jüngste nimmt heute Montag seinen Betrieb auf. Christoph Hürlimann eröffnet an der Sihlporte mit seiner Frau Sara die mittlerweile fünfte Filiale seiner Kette Zahnarztzentrum.ch. Neun Mitarbeiter sind in den Räumen tätig, wo Jecklin früher CDs verkaufte.

Mehr Patientenklagen?

Sven Priester, Präsident der Vereinigung der Kantonszahnärzte, betrachtet dieses Wachstum kritisch: «Zürich ist überversorgt, es gibt rund ein Drittel zu viel Zahnärzte.» Speziell stören ihn dabei die Zahnärztezentren. Ein Zentrum sei stark auf Umsatz ausgerichtet. Und Umsatz könne man nur erzielen, wenn man möglichst viele Patienten in kurzer Zeit behandle. «Da leidet automatisch die Qualität darunter», sagt Priester. Laut verschiedenen Kantonszahnärzten sind Zentren überdurchschnittlich stark von Patientenklagen betroffen. Von sechs- bis zehnmal mehr Reklamationen sprach etwa der Berner Kantonszahnarzt Thomas Schochat. Und eine Umfrage zeigt, dass Patienten von Praxen, deren Zahnärzte Mitglieder des Berufsverbandes SSO sind, deutlich zufriedener sind als jene von Nichtmitgliedern. Die meisten Zentren sind nicht SSO-Mitglied.

«Behandlungsqualität stimmt»

Christoph Hürlimann weist die Vorwürfe zurück. Die Behandlungsqualität in seinen Zentren stimme: «Wir haben nicht mehr Beschwerden als in Einzelpraxen.» Es handle sich pro Jahr nur um wenige Fälle. Für Priester sind die Patienten in Praxen mit SSO-Mitgliedschaft in Streitfällen besser geschützt, weil sie sich an eine Schlichtungsstelle wenden können. Hürlimann sieht darin keinen Vorteil. Entscheide der Schlichtungsstelle hätten keine Rechtskraft, sondern nur empfehlenden Charakter. Ein Kunde könne ebenso den Gang zum Friedensrichter wählen, der allen offenstehe. Hürlimann sichert sich bei Streitfällen mit einer Haftpflichtversicherung ab. Kleineres würde auch auf Kulanz erledigt.

Priester kritisiert auch, dass in Zahnarztzentren viele Zahnärzte aus dem EU-Raum arbeiteten, deren Ausbildungen unterschiedlich seien und nicht dem hohen Schweizer Ausbildungsstandard entsprächen. Oft würden diese nur für kurze Zeit in einem Zentrum arbeiten und seien im Fall einer Beschwerde nicht mehr greifbar.

Hürlimann kontert den Vorwurf. Er werde zurzeit überhäuft mit Bewerbungen spanischer und griechischer Zahnärzte, die oft in Deutschland studiert hätten und Deutsch sprechen. «Wir können auslesen. Nach einem intensiven Auswahlverfahren nehmen wir nur die besten.» Laut Hürlimann stammen zwei Drittel seiner Angestellten aus dem EU-Raum und ein Drittel aus der Schweiz.

Frauen auf dem Vormarsch

Eine Studie des Basler Zahnimplantatherstellers Straumann geht davon aus, dass der Trend zu Zahnärztezentren anhält. Ein Viertel der jetzigen Zahnärzte werde bis 2020 in Rente gehen und mehrheitlich durch Zahnärztinnen ersetzt werden. Diese werden laut der Studie nicht nur öfter Teilzeit, sondern vermehrt in Grosspraxen arbeiten. Die Feminisierung des einstigen Männerberufs ist bereits Realität: Im Jahr 1989 waren 21 Prozent aller frisch diplomierten Zahnärzte weiblich, 2012 waren es schon 63,4 Prozent.

Dass der Trend zu mehr Zentren anhält, glaubt Sven Priester nicht. «Die Qualität stimmt einfach nicht.» Hürlimann ist anderer Meinung. «Wir spüren immer noch eine sehr grosse Nachfrage.» Einer der Gründe dafür seien die langen Öffnungszeiten. Ob er in Zürich ein weiteres Zentrum plant, will Hürlimann nicht sagen.

Tags:

One Response to “Zahnarzt-Rekord in Zürich – und die Zahl der Zentren steigt weiter”

  1. Zahnarzt-Patientin Says:

    Es stimmt – Zahnarztzenrum nimmt nur die BESTEN.
    Die Qualität ist HERVORRAGEND. Dass hier die Konkurrenz meckert, weil die einfach nicht mithalten kann, ist klar. – Grüsse von einer extrem zufriedenen Patientin

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: