Zahnärzteverband warnt vor Benutzung von Zahncremes

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Schneeweiße Zähne durch das Verwenden spezieller Zahnpasten – so lautet das verlockende Werbeversprechen der Hersteller. Der Freie Verband der Deutschen Zahnärzte (FVDZ) warnt jedoch vor der intensiven Benutzung dieser Produkte und durch sie verursachte Schäden. Die Hersteller sehen dazu keinen Grund.

 Grund für die Sorgen des FVDZ sind die sogenannten Abrasive oder Putzkörper; kleine Teilchen, die die Verfärbungen auf den Zähnen abtragen sollen. Proctor & Gamble (P&G), das hinter Blend-a-med und Oral-B steht, lehnt die pauschale Kritik an seinen Produkten ab und teilt mit, dass die entsprechenden Zahncremes des Herstellers wissenschaftlich geprüft und für den Zahnschmelz sicher seien.

Diese Aussage sei nicht falsch, so Dr. Reiner Zajitschek , stellvertretender Bundesvorsitzender des FVDZ, im Gespräch mit unserer Zeitung. Er verweist aber darauf, dass die abrasiven Zahnpasten die empfindlichen Zahnhälse angreifen. Dort sei der Schmelz besonders dünn. Schon nach geringem Rückgang des Zahnschmelzes liegt die Dentinschicht dort frei, erklärt Zajitschek. Je höher der Putzkörpergehalt einer Zahnpasta, desto höher auch die Dentinabrasion. „Ist der Schmelz erst einmal entfernt, entstehen schwer zu behandelnde und sogar irreversible Defekte“, so der Zahnarzt. Zu diesem Vorwurf äußerte sich P&G trotz zweimaliger Nachfrage nicht.

Außerdem kritisiert der Verband die Werbeversprechen für die „Whitening“-Zahnpasten. Die Hersteller vermittelten, dass sie die Zähne besonders gut aufhellen würden. „Da fühle ich mich persönlich veralbert“, widerspricht der FVDZ-Mann. Der Aufhellungseffekt beruhe allein auf der Reinigungswirkung, die letztlich jede herkömmliche Zahnpasta habe. Eine Studie, die den Weißmacher-Zahnpasten eine besondere Wirkung bescheinigt, ist dem Verband nicht bekannt.

Zajitschek berichtet, dass es sich bei den durch diese Produkte verursachten Schäden um ein zunehmendes Problem handle. Gefährdet sind Anwender, die die Pasten täglich, über mehrere Monate und mit einer elektrischen Zahnbürste oder bei zu starkem Druck verwenden. Bei einmaliger oder kurzzeitiger Verwendung drohe dagegen keine Gefahr.

Tatsächliche Erfolge bei der Aufhellung der Zahngrundfarbe bringt das Bleaching, bei dem aggressive Wasserstoffperoxide zum Einsatz kommen. Die in Zahncremes enthaltene Peroxidmenge könne laut Gesetz dafür nicht ausreichen, da es in höherer Konzentration das Zahnfleisch verätze, erklärt der Zahnarzt. Vor der Verwendung von im Handel erhältlichen Bleaching-Sets müssen Anwender ihre Zähne gründlich säubern: „Man poliert ja auch nicht über ein schmutziges Auto“, sagt Zajitschek.

Sein Rat lautet: „Wer seine Zähne aufhellen möchte, sollte sich bei einem Zahnarzt beraten lassen. Aber generell ist vom ‚Wahn nach weißen Zähnen‘ abzuraten.“

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