Auf „Dach der Welt“ Zahnweh geheilt

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Absana hat starke Zahnschmerzen. Das Gesicht der achtjährigen Nepalesin ist schmerzverzerrt. Seit Monaten. Der Weg zum Zahnarzt ist ihr aus finanziellen Gründen versperrt: Ihre Eltern sind arm, in Nepal sind Dentisten teuer. Dank einer Patenschaft aus dem reichen Westen kann sie die Shiva Baba School in der Hauptstadt Kathmandu besuchen. Aber zahnärztliche Behandlung? Keine Chance.

Doch kurz nach Weihnachten vorigen Jahres wird ihr Martyrium überraschend beendet. Der Oldenburger Zahnarzt Bernhard Miller zieht drei verrottete Milchzähne und die Nerven aus einem Backenzahn. Absana kann wieder lächeln. „Sie war“, sagt Miller bewegt, „plötzlich ein anderer Mensch.“

Gemeinsam mit Praxiskollegin Sybille Jacob und Zahntechniker Matthias Elsner reiste Miller nach Nepal, um den 80 Kindern in der Schule zu helfen. „Der Kontakt entstand bei einer privaten Reise nach Nepal vor zweieinhalb Jahren“, erläutert Elsner den Hintergrund. Die beiden wunderten sich damals, dass Reiseleiter Om Shankar Shestra in allen Dörfern von Kindern umringt wurde. Erst auf Nachfragen berichtete er, dass er sich als gläubiger Hindu dazu verpflichtet sehe, Kindern zu helfen, „sonst habe er schlechtes Karma“. In Kathmandu hatte er dazu die Shiva-Baba-Schule gegründet. Kinder aus der Kaste der Unberührbaren, hauptsächlich von Landflüchtigen, werden mit deutschen Patenschaften fürs Schulgeld gemeinsam mit Kindern aus dem Viertel dort unterrichtet.

Und nun auch zahnärztlich behandelt. Die Reise der drei Oldenburger im Dezember war ein Anfang. „Wir haben 80 Kinder untersucht, 60 hatten erhebliche Zahnschäden, die 30 mit den stärksten Schmerzen haben wir behandelt“, resümiert Jacob. Und das unter schweren Bedingungen: Der Strom kam von einem Generator, der Behandlungsstuhl in der provisorischen Praxis defekt, fünf stumpfe Bohrer das einzige Werkzeug. Zunächst also der Einkauf in einem großen Dental-Depot, dann die Behandlung. Über Sprach- und Kulturbarrieren hinweg.

Was deutlich wurde: Es sind die ärmsten Kinder, deren Zähne am schlechtesten sind. „Wenn die Eltern ums Überleben kämpfen, spielt Mundhygiene keine Rolle“, sagt Sybille Jacob. Deswegen haben die drei auf dem Schulhof Zähneputzen geübt, die Bedeutung erklärt, Lehrer geschult. Die Kinder haben gelernt, die drei Oldenburger sind um tiefe menschliche Erfahrungen reicher.

Die bürokratischen Hürden für die Hilfe sind beiseite geräumt, im April wollen die Oldenburger wieder zur Schule nach Nepal fahren. Doch sie suchen Mitstreiter – Zahnärzte und Spender – die dazu beitragen wollen, das Projekt zu verstetigen und die Schülerschaft schmerzfrei zu machen. „Fernziel ist eine mobile Behandlungsstation, damit wir auch die anderen Shiva-Baba-Schulen erreichen“, sagt Elsner. Wer helfen will, erfährt mehr unter:
  www.kinderzahn-kathmandu.de 

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