5,8 Millionen Euro für Hannovers Implantatforscher

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Professorin Dr. Meike Stiesch mit einem vergrößerten Modell eines Zahnimplantats.
Professorin Dr. Meike Stiesch mit einem vergrößerten Modell eines Zahnimplantats.
Foto: MHH/Kaiser
Land Niedersachsen fördert Projekt zu personalisierter Medizin im Niedersächsischen Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung

Das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) erhält für den Forschungsverbund „Biofabrication for NIFE“ vom Land Niedersachsen eine Förderung von 5,8 Millionen Euro über drei Jahre. In dem Forschungsvorhaben, an dem die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) sowie federführend die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) beteiligt sind, werden Zukunftskonzepte für personalisierte Implantate entwickelt. Dabei ergänzen sich die medizinische Expertise der MHH, die material- und ingenieurwissenschaftliche der Leibniz Universität Hannover und die kommunikationswissenschaftliche der HMTMH. „Diese europaweit einmalige Forschungsinitiative stärkt den Wissenschaftsstandort Niedersachsen dank der hervorragenden Vernetzung der Hochschulen in Hannover“, betont Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann, Präsident der MHH, die den Antrag gestellt hatte. Mindestens 30 Stellen für hochqualifizierte Mitarbeiter und noch einmal so viele für Nachwuchswissenschaftler sollen geschaffen werden.

Aus der Klinik ins Labor ­– und zurück in die Klinik

„Ein besonderer Gewinn unseres Forschungsverbunds liegt darin, dass hier Innovationen aus der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung geführt werden. Das heißt, die Forschung kommt direkt dem Patienten zugute“, betont die Leiterin des Forschungsverbundes, Professorin Dr. Meike Stiesch, die auch Direktorin der MHH-Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde ist. Dabei hat der Verbund die personalisierte Medizin im Blick. „Die neu entwickelten personalisierten Implantate – unabhängig davon ob Festkörper- oder Gewebeimplantate – sind auf den einzelnen Patienten und seine spezifische Gewebesituation abgestimmt. So können zum Beispiel gezielte Oberflächenstrukturierungen die Einheilung des Implantates verbessern und die Besiedelung mit Bakterien verhindern. Damit können wir einem Implantatverlust aktiv entgegenwirken.“ Allein in Deutschland werden die Behandlungskosten, die durch Implantatinfektionen entstehen, auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich geschätzt. Doch damit nicht genug: In ihrem Projekt wollen die Wissenschaftler zudem die Sicherheit von Implantaten verbessern. Dazu sollen einheitliche Qualitätsstandards und verbindliche Prüfverfahren entwickelt werden.

Breit gefächerte wissenschaftliche Expertise

„Unsere Fragestellungen kommen aus dem Alltag in der Klinik, wir forschen an medizinisch hochrelevanten Themen“, betont Professorin Stiesch. „Der Vorteil unseres bundesweit einmaligen Forschungszentrums besteht darin, dass wir das Wissen unterschiedlicher Fachrichtungen – von Materialwissenschaftlern, Ingenieuren, Chemikern und Physikern bis hin zu Orthopäden, Chirurgen, Immunologen oder Zahnärzten – interdisziplinär zusammenführen, um Lösungen zu finden.“ Dieser Vorteil könne in dem Forschungsverbund voll ausgespielt werden. Dabei habe immer die Fragestellung „Was nützt es dem Patienten?“ oberste Priorität. „Wir entwickeln zunächst bioverträgliche Materialien für die Implantate, die im Anschluss eine Beschichtung mit körpereigenen Zellen des Patienten erhalten. Auf diese Weise entstehen personenspezifische Implantate“, sagt Professor Dr. Thomas Scheper, Leiter des Instituts für Technische Chemie der Leibniz Universität Hannover. Zudem will der Forschungsverbund mit Industriepartnern kooperieren.

Wissenschaftlicher Nachwuchs wird gefördert

Innerhalb des Verbundes „Biofabrication for NIFE“ wird auch ein Graduiertenprogramm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses aufgebaut. „Wir bieten den Promovierenden eine strukturierte, transdisziplinäre Betreuung“, betont Professorin Stiesch, „und bilden damit interdisziplinäre Spezialisten auf dem Gebiet der Biomedizintechnik aus.“ Zudem werden für Bachelor- und Masterstudiengänge Module zu den Grundlagen und fortgeschrittenen Methoden der „Biofabrication“ angeboten.

Wie wird innovative Medizintechnik wahrgenommen?

Einen ganz neuen Weg beschreiten die Mediziner, Naturwissenschaftler und Ingenieure bei der Kooperation mit Kommunikationswissenschaftlern. „Wir freuen uns sehr auf dieses ehrgeizige Forschungsvorhaben“, sagt Professor Dr. Christoph Klimmt, Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. „Uns kommen dabei zwei Aufgaben zu: Einerseits wollen wir die Abstimmung der vielen interdisziplinären Forschungsgruppen befördern. Andererseits wollen wir die Wahrnehmung der Biofabrication-Technologien und ihrer Anwendung bei Patienten, Journalisten und der allgemeinen Öffentlichkeit erforschen“, erläutert Professor Klimmt, „denn ein echter Erfolg kann innovative Medizintechnik nur werden, wenn sie aktiv an ihre Zielgruppe kommuniziert wird.”

Forschungsneubau am Stadtfelddamm

Das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) wurde im November 2008 als gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung der MHH, der Leibniz Universität Hannover, der Tierärztlichen Hochschule Hannover und des Laser Zentrums Hannover gegründet, um die Kompetenzen der Implantatforschung an einem Standort zu bündeln. Im Dezember war erster Spatenstich für einen 60 Millionen Euro teuren Neubau am Stadtfelddamm mit einer Gesamtfläche von 13.200 Quadratmetern. Die MHH bringt ihre Expertise der Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Biomedizintechnik, Regenerative Medizin und Immunologie/Infektiologie ein, die Leibniz Universität Hannover steuert ihr Fachwissen in den Bereichen Ingenieur- und Materialwissenschaften bei, hinzu kommen die biologischen Prüfmodelle der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und die Expertise des Laser Zentrums Hannover. Derzeit sind die Forscher noch auf 18 Institute an acht Standorten über die Region Hannover verteilt, von 2015 an sollen die 300 Wissenschaftler – darunter 80 Ingenieure und Physiker – dann den Neubau gleich neben dem MHH-Campus beziehen.

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