Schweizer zahlen massiv zu viel für den Zahnarzt

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sagt 20 minutes: Viele Schweizer vertrauen ihrem Zahnarzt blind. Würden sie die Tarife vergleichen, könnten sie jährlich hunderte Millionen Franken sparen.

Nennt der Zahnarzt seinen Preis für die Behandlung, willigen viele Patienten umgehend ein. Dabei würde sich ein Preisvergleich lohnen: Auf der Internetplattform Schweizer Zahnarztvergleich können Patienten die Offerte ihres Zahnarztes für eine bestimmte Behandlung eintragen. Andere Zahnärzte können dann günstigere Gegenofferten einreichen. Mit dem Offerten-Tool, das seit 2007 existiert, konnten Patienten bei 2000 eingereichten Offerten in den letzten fünf Jahren 2,7 Millionen Franken sparen.

«Nach unseren Berechnungen liegt das Sparpotenzial bei Zahnbehandlungen über 1000 Franken bei zirka 30 Prozent», sagt Michael von Arx vom Schweizer Zahnarztvergleich. Bei einem Gesamtumsatz von 1,5 Milliarden Franken pro Jahr bedeutet das: Die Schweizer zahlen für die Behandlungen jährlich 450 Millionen Franken zu viel. Vor allem bei Implantaten, Brücken und Kronen kann viel Geld gespart werden.

«Wir arbeiten mit den gleichen Materialien»

Die betroffenen Zahnärzte weisen laut von Arx den Abzockervorwurf von sich. Sie argumentieren, dass die Preisdrücker an Material sparen und unsauber arbeiten. Stefan Kristof von Zahnfee 2.8, einer Zahnarztpraxis, die Zahndienstleistungen für Menschen mit niedrigem Einkommen anbietet, erklärt die Tiefpreise: «Wir arbeiten mit den gleichen Materialien aus der Schweiz und haben dieselbe Laborausstattung wie anderswo.» Die Zahnärzte würden jedoch auf einen Teil ihrer Leistungen verzichten. «Wir haben sehr viele Patienten und arbeiten viel.» Verdienen tut die Praxis, die im Internet Behandlungen anbietet, am grossen Volumen. «Viele Patienten nehmen die hohen Preise nur deshalb kritiklos hin, weil sie ungenügend informiert sind», sagt Kristof.

Marco Tackenberg von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft dagegen findet die Preisunterschiede nicht stossend, sondern hält sie für normal: «Höhere Mietkosten und teureres Servicepersonal können der Grund sein.» Er denkt dabei an repräsentative Praxen, die wie Lounges eingerichtet sind. Ausserdem sei Zahnarzt ein freier Beruf, in dem jeder selber seinen Preis bestimmen dürfe.

Wütende Anrufe von teuren Zahnärzten

Dem Preisvergleich im Netz steht er kritisch gegenüber. «Jeder zahnmedizinische Eingriff ist etwas Individuelles. Wo eine Leistung angeboten wird, ohne dass die Mundhöhle des Patienten untersucht wurde, sind wir sehr skeptisch.» Ausserdem befürchtet er, dass der Zahnarztvergleich eine Schnäppchen-Mentalität fördert, die sich auf kurzfristige Beziehungen ausrichtet. Familienzahnärzte mit langjährigen Beziehungen zu Patienten fänden oft günstigere Lösungen oder akzeptierten Ratenzahlungen.

Nicht selten melden sich Zahnärzte, die vom Zahnarztvergleich aufgeschreckt wurden, bei von Arx: «Sie sehen es nicht gern, wenn ihre Tarife öffentlich im Internet stehen.» Zwar gebe es eine Pflicht zur Veröffentlichung der Tarife, doch diese lägen nur im Wartezimmer oder auf dem Tresen auf. Dort landeten die meisten Patienten aber erst, nachdem sie bereits einen Termin vereinbart hätten. «Gewisse Zahnärzte empfinden den Offertenvergleich als Eingriff in das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und ihren Patienten», so von Arx. «Letztlich geht es um viel Geld.»

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