Unternehmen geraten in den Azubi-Wettstreit

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Interessanter Beitrag auf Spiegel-Online – scheint sich als Trend zu entwickelnweiter auf Manager-magazin

Wer die glänzende Lobby des Grand Elysee Hotel an der Hamburger Rothenbaumchausee betritt, der erwartet etwas Besonderes. Die Fünf-Sterne-Hotellerie gilt nach wie vor als Aushängeschild der Tourismusbranche – und als einer der größten Ausbildungsbereiche.

Sechzig Azubis bildet das Elysee diesjährig für den personalintensiven Service aus – und in den vergangenen Jahren brach nur einer vorzeitig ab. Das aber ist in der Branche nicht die Regel: Die sogenannte Vertragslösungsquote lag im Jahr 2011 bei bis zu 47,6 Prozent, ermittelt vom aktuellen DGB-Ausbildungsreport. Petra Kraushaar, die Personalleiterin des Grand Elysee, weiß, was Arbeitgeber dem entgegensetzen müßten, um sie zu senken: “Ein Azubi muss einen respektvollen Umgang erfahren, eine Wertschätzung.” Aber nicht nur die Atmosphäre sei wichtig, “auch die berufliche Weiterentwicklung, Karrierechancen und langfristige Ziele, die beiden Seiten nützen”.

Die Zeiten haben sich geändert, meint Petra Kraushaar: Jugendliche hätten heute höhere Ansprüche, Monotonie sei out. Um sie für eine Ausbildung zu begeistern, müsse man die besonderen Vorteile des eigenen Unternehmens herausheben und den Ausbildungsgang vielfätig gestalten. In den vergangenen zehn Jahren gab es einen fast schon dramatischen Umbruch auf dem deutschen Ausbildungsmarkt. Die Situation in den Krisenländern Spanien oder Griechenland bringt zudem eine ganz neue Entwicklung mit sich: Mobilität in der gesamten EU.

Die Hotellerie aus Österreich veranstaltet Azubi-Messen in Griechenland, die Arbeitsagenturen der EU-Staaten vernetzen sich, und letzte Woche beschloss die Union einen Ausbildungspakt für ganz Europa – inklusive staatlicher Ausbildungsgarantie. Minister Wolfgang Schäuble möchte sogar vermehrt ausländische Bewerber nach Deutschland holen. “Wer nicht ausbildet, wird umgelegt!” – mit dieser Forderung verlangten früher Gewerkschaften eine Belastungsumlage für Unternehmen, die nicht oder zuwenig ausbilden. Die Jugend von heute aber kann sich oft ihren Ausbildungsbetrieb frei auswählen. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) gäbe es mittlerweile mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber.

Hohe Belastung in der Gastronomie

Die Jugendorganisationen der Gewerkschaften allerdings weisen darauf hin, dass dies nicht für alle Berufe zutreffe. Auch gäbe es von Bundesland zu Bundesland große Ungleichgewichte, Hamburg und Bayern stehen am besten da, in Berlin dagegen fand jeder Dritte keine entsprechende Ausbildungsstelle. Deshalb wird es bald verstärkt für Jugendliche heißen umzuziehen, denn andernorts als vielleicht auf dem weniger guten Heimatarbeitsmarkt gibt es anderenorts in deutschland mittlerweile vielfach Ausbildungsangebote.

 

Auffallend ist, dass selbst im teils schwachen Berlin solche Branchen wie die Hotellerie trotz ihres Wachstumskurses in der Hauptstadt nicht einmal dort automatisch als attraktive Ausbildungsbereiche gelten. Ähnlich hohe Abbrecherquoten (über 33 Prozent) gibt es nur in der Gastronomie, im Lebensmittelfachbereich und in der Gebäudereinigung.

Serkan C. aus München gehört zu ihnen: Der 19-jährige begann eine Ausbildung in einem Vier-Sterne-Hotel, unbezahlte Überstunden waren an der Tagesordnung, auch ein rauher Umgangston: “Es war fast die Hölle, irgendwann bin ich zusammengebrochen. Ich wollte etwas lernen, aber dort hieß es nur: Kannst Du später, erst mal arbeiten!” Ähnliche Berichte kennt Florian Haggenmiller, der Bundesjugendsekretär des DGB: “Es ist fahrlässig, wie manche Unternehmen mit der Gesundheit und der Zukunft ihrer Auszubildenden umgehen. Und dabei auch die eigene Fachkräftesicherung völlig aus den Augen verlieren.” Insgesamt breche fast jeder vierte Azubi seine Ausbildung vorzeitig ab. Dass viele St ellen unb esetzt bleiben, wundere ihn nicht: “Besonders die Berufe, in denen die meisten Verträge vorzeitig aufgelöst werden, haben auch das größte Problem, ihre Ausbildungsstellen besetzen zu können.”

In den Bereichen Restaurant, Systemgastronomie oder Fleischerei sei rund jede vierte Ausbildungsstelle unbesetzt. Die Bundesagentur für Arbeit kam zu ähnlichen Feststellungen. Etliche Branchen haben tatsächlich ein großes Problem, Azubis zu akquirieren. Es gibt nicht nur Fleischereigeschäfte, die zum Beispiel mit dem Geld für den Führerschein werben, auch die Handwerkskammern starteten große Image-Kampagnen, die Friseur-Innung Berlin versucht, das Berufsbild durch Werbung aufzuhellen. Jutta Boham von der Hamburger Friseur-Innung weist aber darauf hin, dass vor allem sehr junge Leute das “hohe Anforderungsprofil des Friseurberufes völlig unterschätzen”, etwa die körperliche Belastung: “Sie strengen sich schon an, aber oft reicht die Motivation nicht”. Mit Azubis mit Migranten-Hintergrund hätte man aber sehr gute Erfahrungen gemacht.

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