Von Ärzten und zahnlosen Behörden

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Es sind Vorwürfe, die es einem kalt den Rücken herunterlaufen lassen. Da wird ein Zahnarzt vom Landgericht Stendal auch in zweiter Instanz verurteilt, weil er einer Patientin zu Unrecht sieben Zähne gezogen hat.Und im Altmark-Klinikum Gardelegen kann ein Chirurg monatelang offenbar grundlose Eingriffe an der Wirbelsäule vornehmen, ohne dass ihn jemand stoppt. Der Zahnarzt ist verurteilt, gegen den Gardelegener Operateur ermittelt längst die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung in einer Vielzahl von Fällen.

s geht hier nicht um irgendwelche Betrügereien oder Diebstähle, es geht vielmehr um die Gesundheit von Menschen. Doch die Mühlen der Behörden schert das nicht, sie mahlen langsam. Beispiel Zahnarzt: Schon 2007 war er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, 20 Zähne hatte er damals zu Unrecht gezogen. Das Verfahren zur Aberkennung der Approbation lief sechs Jahre, jetzt geht der Arzt juristisch dagegen vor…

Für Patienten nicht besser sieht die Angelegenheit beim Chirurgen Dr. T. aus. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen können sich hinziehen, dieses Jahr ist nicht mit einem Ergebnis zu rechnen. Konsequenzen für den Arzt: Bislang keine.

Eines zeigen beide Fälle klar: Das Recht des Arztes steht offenbar über dem Schutz der Patienten. Wenn es um schnelle Konsequenzen geht, erweisen sich die Behörden als zahnlose Papiertiger. Doch durch solche langsame Bürokratie wird die Gesundheit von Menschen aufs Spiel gesetzt. Die Patienten aus Gardelegen können ein Lied davon singen. Ganz abgesehen vom Umstand, dass manchem ein überflüssiger Eingriff an der Wirbelsäule erspart geblieben wäre, wenn der Aufsichtsrat mehr Mut zum Handeln gehabt und vor dem Arzt nicht erstarrt gewesen wäre wie das Kaninchen vor der Schlange.

Schwarze Schafe unter Ärzten wird es immer wieder geben. Doch der Umstand, dass offenbar die eigene Berufslobby keinen Druck aufbaut, um gegen Straftäter in den eigenen Reihen konsequent standesrechtlich vorzugehen, ist eine bittere Erkenntnis. Denn nur wenn von dort Einfluss auf träge Behörden genommen wird, kann wirklich etwas geändert werden. Die Opfer selbst sind wehrlos – es sind die Patienten in Notlagen.

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