Der Arzt, der das Gold ausgräbt

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Dreieinhalb Jahre hat Dr. Franz-Josef Schraad goldenen Zahnersatz entfernt und erneuert – gleichzeitig aber auch seinen Patienten „abgeschwatzt“: Herausgekommen sind stolze 17.544 Euro, die der Godshorner Zahnarzt gestern sozialen Projekten und dem TSV Godshorn gespendet hat.

Langenhagen. In Zeiten hoher Goldpreise ist das nicht mehr selbstverständlich. Immer mehr Patienten würden den von Zahnarzt Schraad entfernten Zahnersatz aus Gold selbst behalten wollen. Doch bereits seit 25 Jahren versucht Schraad genau das seinen Kunden auszureden – und zumeist mit Erfolg.

„Die Patienten wissen, dass das Gold für einen guten Zweck bestimmt ist“, sagte der Zahnarzt am Freitag. Zumeist auch für soziale Projekte und Initiativen in der Region. Für den einzelnen Patienten bleibe am Ende auch nicht viel vom Verkauf über, sagte Schraad. Schließlich wollen die Goldhändler auch verdienen, meinte der Mediziner, der den goldenen Zahnersatz an die Firma Degussa verkauft. Diese berechne ihm, falls er den Erlös für soziale Zwecke spendet, lediglich zehn Prozent Verwaltungskosten, anderenfalls seien es etwa 50 Prozent.

Am Freitag konnten sich der Pädagogische Mittagstisch der Godshorner Kirchengemeinde Satt & Schlau über 7544 Euro, der Sportverein TSV Godshorn und die Initiative Zahnmobil vom Diakonischen Werk jeweils über 5000 Euro freuen.

Satt & Schlau will mit dem Betrag nach Bekunden von Pastor Falk Wook den 20 betreuten Kinder ein ergotherapeutisches Sozialtraining und den ehrenamtlichen Helfern eine Fortbildung spendieren.

Das Gold aufwendig von den Zahnresten trennen

Händler kaufen nicht nur Goldbarren oder -schmuck, sie nehmen auch altes Zahngold an. Schließlich wird das Edelmetall aktuell zu einem hohen Kurs gehandelt. Am Freitag bewegte sich der Goldpreis gegen 16.50 Uhr je Feinunze – etwa 31 Gramm – bei 1075 Euro. In Zeitungsinseraten und im Internet wird für den Ankauf von Zahngold geworben. Dabei zahlen die Unternehmen etwa 25 Euro je Gramm. Die am Zahngold zum Teil noch anhaftenden „Beißerchen“ werden in einem aufwendigen Verfahren in sogenannten Scheideanstalten getrennt. Oft finden sich beim Zahngold auch Legierungen mit weniger wertvollen Materialien, die dann im Schmelzverfahren getrennt werden müssen.

Zahngold ist seit den dreißiger Jahren in der westlichen Welt populär und stammt der ersten Verwendung nach aus Asien. Die meisten Legierungen bestehen zu circa 70 bis 80 Prozent aus Gold und unter Umständen noch circa fünf Prozent Platin.

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