Zahnarzt, Gastwirt, Landwirt und Photovoltaikbetreiber

by

Acht Generationen Familienbesitz ab 1845 konnte Jürgen Löber mit Pfarrer Werner Pausch, der mit der Laienspielgruppe Söhreperlen auch den Theatersaal nutzt, in den Kirchenbüchern finden.

Das Fachwerkhaus muss noch älter sein. Für das 125-jährige Bestehen des Gasthofs wird ab 1888 gerechnet, denn von 1877 bis 1888 war das Gasthaus geschlossen. „Frauen bekamen damals noch keine Schankerlaubnis“, berichtet Jürgen Löber. So konnte die Witwe von Conrad Werner den Betrieb nicht fortführen, bis ihre Tochter den Dachdecker Conrad Most heiratete.

„Jede Generation hat gebaut: den Saal, die Bühne, die Nebenzimmer, das Stallhaus und ein neues Posthaus“, erzählt Jürgen Löber. „Schauen Sie mal, das waren ganz arme Leute“, sagt er, als er ein ganz altes Foto zur Hand nimmt. Conrad Most, der den Gasthof ab 1888 führte, hatte fünf Berufe und wurde „’s ahle Männchen“ genannt. Fritz Most, der das erste Telefon in Wellerode hatte, wurde Seppl gerufen.

Konrad Most, der Großvater von Jürgen Löber, der 1959 übernahm, hatte nur noch drei Berufe: er war Landwirt, Gastwirt und Postbediensteter. „Nur in der Zeit meiner Eltern war der Gasthof ein Vollerwerb“, erklärt Jürgen Löber. Sein Vater Herbert arbeitete als Schlosser und stieg mit dem Bau der Kegelbahnen 1973 hauptberuflich mit ein.

„Von 1999 bis 2006 haben wir nacheinander alles renoviert, den Innenausbau habe ich selbst gemacht“, berichtet Jürgen Löber. 1999 wurden die Bitumenplatten entfernt und die Fachwerkfassade wieder hergerichtet, 2006 der Hof gepflastert. „Inzwischen fange ich wieder von vorne an“, sagt Jürgen Löber. Er lebt mit seiner Frau Steffi und vier Kindern im Haus und hat eine 14-jährige Tochter aus erster Ehe.

Jürgen Löbers Eltern Inge (68) und Herbert (74) arbeiten noch viel im Hintergrund mit. Inzwischen ist Most’s eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG), eine Mini-GmbH also, Jürgen Löber ist Geschäftsführer. „Wir haben gnadenlos verschlankt, da sich die Dorfgastronomie im Wandel befindet“, sagt er.

„Ich führe inzwischen vier Betriebe“, berichtet Jürgen Löber und meint damit die Zahnarztpraxis, den Gasthof und eine Ferienhausvermietung. Auch die Fotovoltaik-Anlage wird eigenständig abgerechnet. Zurück zur Landwirtschaft geht es ebenfalls: Im Garten gibt es Ställe mit einem Pony und einem Pferd. Das Wichtigste, sagte Jürgen Löber gleich zu Beginn des Gesprächs, sei aber seine Familie.

Die Geschichte des Hauses:

Wie alt das Fachwerkhaus mit den Eichenbalken und Lehmgefachen ist, steht nicht fest. Ein Familienbesitz von acht Generationen konnte jedoch nachgewiesen werden. Bis etwa 1845 führte der Ackermann und Gastwirt Johannes Herwig den Betrieb, nach seinem Tod folgte Johannes Werner, der zweite Ehemann von Anna Elisabeth, die eine geborene Löwer war. Mit dem Tod von Conrad Werner wurde dessen Frau die Schankerlaubnis entzogen, der Betrieb blieb elf Jahre geschlossen. 1888 erfolgte die Wiedergründung durch Conrad Most, dessen Frau eine geborene Werner war. In den 1920er-Jahren übernahm Fritz Most, 1959 Konrad Most. Von 1971 bis 1998 führten Herbert Löber und seine Frau Inge (geborene Most) den Betrieb, den nun ihr Sohn Jürgen führt.

Tags:

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: