Würzburger in Nepal: Nicht mal eben zum Zahnarzt eilen

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Die traditionellen süßen Nachspeisen gibt es für die Kinder aus der Grundschule in Malekhu nicht. „Die Nepalhilfe Kulmbach sorgt für ein gesundes Schulessen“, erklärt der Würzburger Zahnarzt Dr. Oliver Heilmann. Weil Kinder in Nepal viel Süßes essen, haben viele schlechte Zähne. Das sah Heilmann, als er in Malekhu war. Hier behandelte er für die Nepalhilfe Kulmbach zwei Wochen lang freiwillig über 350 Kinder, außerdem einige Lehrer und Einheimische.

In Deutschland wissen inzwischen viele Kinder um die vier Pfeiler der Zahngesundheit: Gesunde Ernährung, fluoridiertes Speisesalz, zweimal täglich Zähneputzen und regelmäßige zahnärztliche Kontrolle. In Nepal ist dieses Wissen kaum verbreitet, so Heilmann: „Mindestens jedes zweite Kind, das wir untersuchten, hatte riesige Löcher.“ Um die 400 Zähne zogen er und sein Zahnarztkollege Armin Gambal aus dem niedersächsischen Peine während der 14 Tage: „Zum Glück handelte es sich meist um Milchzähne.“ Eine Hauptschülerin war jedoch auch dabei, der im rechten Kiefer sämtliche Backenzähne oben und unten entfernt werden mussten.

Das Land der Räucherstäbchen, der Dreiräder und des Reisweins erlebte der Würzburger Zahnarzt als eine „völlig andere Welt“. Schon die Anfahrt auf der einzigen Straße, die von Kathmandu nach Malekhu führt, war abenteuerlich: „Für diese 97 Kilometer benötigten wir dreieinhalb Stunden.“ Was noch ein großes Glück war: „Es kann auch acht Stunden dauern.“ Die von der Nepalhilfe Kulmbach errichtete Schule befindet sich inmitten von Reisfeldern.

Ständige Improvisation

Malekhu selbst hat nur rund 3000 Einwohner: „Doch aus der ganzen Gegend kommen die Kinder hierher.“ 324 Sechs- bis Zehnjährige besuchen die Primary School, um die 500 gehen in die benachbarte Hauptschule. Wer nervös wird, wenn mal alles nicht wie am Schnürchen läuft, sollte als Zahnarzt besser nicht in Nepal arbeiten. Denn hier muss ständig improvisiert werden. Das größte Problem, so Heilmann: „Der Strom ist dauernd weg.“ Das ist besonders lästig, wenn gerade eine Füllung gemacht wird.

Dass die Füllung aushärtet, dafür sorgt eine Polymerisationslampe. Und die funktioniert ohne Elektrizität nun mal nicht. Auch in der Zahnarztpraxis, die von der Nepalhilfe Kulmbach in der Grundschule mit Equipment aus Indien eingerichtet wurde, geht es anders zu als in einer deutschen Praxis. Es ist eng. Und nur das Allernötigste an Arbeitsmaterial ist vorhanden.

In Nepal kann kaum jemand bei plötzlichen Zahnschmerzen spornstreichs zum Arzt eilen: „Ein Zahnarzt kommt auf 100 000 Einwohner.“ Sich behandeln zu lassen, ist für die meisten Nepalesen sowieso unerschwinglich. Bis zu neun Euro würde dies kosten: „Wobei das Jahreseinkommen bei durchschnittlich 250 Euro liegt.“

Darum nutzten die Einheimischen auch die Chance, sich von den zwei Zahnärzten aus Deutschland, denen die Würzburger Prophylaxefachfrau Sabine Behringer assistierte, in den Mund schauen zu lassen. Heilmann: „Sie nahmen fünfstündige Fußwege auf sich. Und warteten anschließend noch einmal fünf Stunden, bis sie an der Reihe waren.“

Nepalhilfe Kulmbach

Die Nepalhilfe Kulmbach wurde vor zehn Jahren gegründet. Eines der ersten Ziele war die Errichtung einer Schule in Malekhu, da in Nepal nur etwa jedes zweite Kind die Schule bis zur fünften Klasse besucht. Eine von der Organisation finanzierte Krankenschwester untersucht den Gesundheitszustand der Schüler regelmäßig.

Ständig gesucht werden deutsche Zahnärzte für die kleine Zahnarztpraxis, die in der Schule eingerichtet wurde. Wer den Verein unterstützen möchte, kann auf das Konto Nr. 110130 der Nepalhilfe Kulmbach, Sparkasse Kulmbach (BLZ 77150000) spenden. Kontakt zur Organisation gibt es unter nepalhilfe-kulmbach@gmx.de. Text: Pat

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