Zahnarzt behandelt in der Küche oder im Bett

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Wer nicht in die Praxis kommen kann, wird zu Hause behandelt: Auch Zahnärzte bieten diesen Service an. Der Kölner Zahnarzt Christoph Mann behandelt Patienten seit Jahren in ihren eigenen vier Wänden.

Wer nicht zu ihm in die Praxis kommen kann, den besucht Zahnarzt Christoph Mann zu Hause. Der 39-jährige Mediziner hat alles, was er für eine Behandlung benötigt, in zwei silbernen handlichen Alu-Hartschalenkoffern verstaut. “Das hier ist die Technik”, sagt Mann und hebt einen der beiden Koffer hoch, “in dem anderen hier sind Tupfer, Füllungsmasse, Behandlungsbesteck und eine Flüssigkeit, damit ich vor Ort steril arbeiten kann.”

Seit drei Jahren besucht Mann die Patienten, die wegen verschiedener Handicaps nicht in seine Praxis kommen können, zu Hause. So wie die 75-Jährige Helga, die ihren Namen nicht komplett nennen möchte. Durch eine Knieoperation ist sie derzeit noch schlechter zu Fuß als gewöhnlich.

“Als ich dann Zahnschmerzen bekam, wusste ich zunächst nicht, was ich tun sollte. Dann machte mich eine Freundin auf den Zahnarzt aufmerksam, der auch nach Hause kommt”, sagt die 75-jährige Frau aus Porz.

Behandelt wird im Wohnzimmer, am Küchentisch oder im Bett. “Ich muss mit den Gegebenheiten klarkommen, die ich vor Ort vorfinde”, sagt Mann, der diese Art der Behandlung bereits aus seiner praktischen Ausbildung kennt. Es sei zwar nicht immer leicht, aber die Patienten seien so dankbar, dass es ihn für den Aufwand wieder entschädige.

 “Da muss man sich mehr Zeit lassen”

Die Behandlung dauert nämlich länger als in seiner modernen Praxis. “Es ist trotz der mobilen Ausstattung doch alles ein wenig provisorisch. Da muss man sich mehr Zeit lassen”, sagt der 39-Jährige.

Häufig nimmt er eine seiner Assistentinnen mit zu den Hausbesuchen. Wenn es gar nicht anders machbar ist, fährt er auch allein. Von der Kariesentfernung über das Setzen einer neuen Plombe bis zum Zähne ziehen kann er vieles von dem, was er in der eigenen Praxis anbietet, auch bei den Patienten vor Ort erledigen.

In einem Umkreis von 25 Kilometern fährt Mann zur Behandlung raus. Seine Praxis hat er in Wesseling, aber im Kölner Süden bis hinüber auf die andere Rheinseite nach Porz behandelt er Patienten nach Bedarf zu Hause.

Hausbesuche mit Zukunft

Ein Service, der selten ist. Wie Kammersprecherin Susanne Paprotny sagt, zählt die Kammer im Schnitt etwa 20 Ausleihen pro Jahr. Unter den Ärzten sei es häufig gar nicht bekannt, dass die mobilen Behandlungseinheiten bei der Kammer ausgeliehen werden können.

Auch Mann nutzt das mobile Equipment nur nach Bedarf. Einen fest eingeplanten Termin gibt es bei ihm nicht. Denkbar wäre eine solche Behandlung auch für Angstpatienten. “Diese müssten die Kosten allerdings selber tragen, da die Krankenkassen nur für nicht mobile Patienten den Aufwand erstatten”, sagt Mann, der die Hausbesuche ausschließlich nach Feierabend durchführt.

In der ersten Hälfte des Jahres war er fast jeden Mittwochnachmittag mit seiner mobilen Einheit unterwegs. Für Mann ist das nicht nur Service, sondern auch die Zukunft. Immer mehr Menschen pflegten ihre Zähne besser und würden immer älter, aber auch immobiler. Ein Hausbesuch könnte für Zahnärzte somit zur Regel werden, ist Mann überzeugt.

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