BVAZ ruft zur Attacke: Auf die Pferde, Delegierte!

by

Auf die Pferde! Wenn es darum geht, die pandemische Unmoral zu beklagen, in der sich Funktionäre egal welcher Couleur und Provenienz in dieser Gesellschaft zu Lasten der Leistungsträger schamlos die Taschen füllen, sind wir Zahnärzte gerne vorne dabei und nehmen kein Blatt vor den Mund. Der Blick vor die eigene Türe zeigt leider, dass wir uns keineswegs verstecken müssen. Von der zahnärztlichen Öffentlichkeit zunächst unbemerkt – Geheimhaltung wurde versprochen aber nicht gehalten – haben sich Kollege Fedderwitz und seine beiden Stellvertreter einen respektablen Nachschlag zu ihren zuvor schon astronomisch anmutenden Gehältern genehmigt (siehe auch zm 103 vom 01.03.2013, S. 120): Für jedes Jahr im Amte erhalten sie nach dem Ausscheiden jetzt 2 Monatsgehälter Übergangsgeld. Das macht pro Amtsjahr zusätzlich ca. 50.000,- €, also bei zwei vollen Amtsperioden á 6 Jahren bereits rund 600.000,- Euro, um den Übergang in den erlernten Beruf zu versüßen. Drei Amtszeiten machen sie zu Übergangsmillionären. Von Managern lernen heißt Mauscheln lernen, scheinen sich unsere Spitzenfunktionäre zu sagen, und verbergen inzwischen genau wie jene die Üppigkeit ihrer Bezüge hinter Zuschlägen für ihre Alters- und Übergangsversorgung: So addieren sich zum Grundgehalt von über 250.000,-€, immerhin schon mehr als die Bundeskanzlerin verdient, sogenannte „variable Anteile“ von mehr als 50.000,- € jährlich. Hinzu kommen jährliche Zuschüsse zum Versorgungswerk von mehr als 42.000,- €. Der hochpreisige PKW, der, wen wundert’s jetzt noch, selbstverständlich auch privat genutzt werden kann, schlägt schätzungsweise mit kaum weniger als 20.000,-€/anno zu Buche. Und noch einmal rund 20.000,- € pro Jahr werden zusätzlich als „vertragliche Sonderregelung der Versorgung (Anspruch aus Altvertrag)“ gewährt, was immer auch darunter zu verstehen ist. Da eine regelmäßig mehr als 60stündige Arbeitswoche beklagt wird, ist mit zusätzlichen nicht veröffentlichten Nebeneinnahmen zu rechnen. Alles in allem dürfte uns jeder dieser drei – schlagartig erlangt die Bezeichnung Profil – „Standesfürsten“ nahe an 500.000,- Euro per anno kosten. Das waren einmal knapp 1 Million DM. Und sind damit wahrscheinlich mehr als das Dreifache dessen, was jeder von ihnen jemals in freier Praxis erwirtschaftet hat. Bei der Bundeskammer wird sich der Tisch kaum weniger fürstlich gedeckt zeigen, wenn er denn der Öffentlichkeit endlich einmal präsentiert würde. Gutes Geld für gute Arbeit, heißt es immer gerne, und dass es sich um gutes Geld handelt, ist nicht zu übersehen. Aber wo ist die gute Arbeit, die soviel Geld wert ist? Mit ihrer über alle Maßen kurzsichtigen, zahnersatzfixierten Verhandlung der Festzuschüsse hat die KZVB dafür gesorgt, dass die gesetzlichen Krankenkassen uns und den Patienten jährlich circa 1 Milliarde weniger für zahnmedizinische Leistungen zu Verfügung stellen müssen. Das vermaledeite Kons- Budget blieb uns erhalten, das seither nie mehr ausgefüllte ZE-Budget wurde stattdessen in völliger Verkennung wirtschaftlicher Zusammenhänge mit stolz geschwellter Brust wegverhandelt. Genau umgekehrt wäre ein ordentlicher Schuh daraus geworden Damit hat die KZBV die Kassen auf dem Rücken der Niedergelassenen quasi im Alleingang saniert. Und die Bundeszahnärztekammer? Wir haben den BVAZ schließlich nicht aus Begeisterung über ihre tollen Leistungen gegründet, sondern vielmehr aus Verzweiflung darüber, dass ihre Spitzenfunktionäre gerade im Begriff waren, die Interessen derjenigen, die sie bezahlen, auf dem Altar ihrer Eitelkeit zu opfern. Kritiker dieser offensichtlichen Selbstbedienungsmentalität werden mit den üblichen Totschlagargumenten überschüttet, was allerdings nur folgerichtig ist. Denn es gibt kein einziges nachvollziehbares Argument, warum die Spitzen der Bundes-KZV, die in ihrer Organisationsstruktur mehr an Kaninchenzüchter als an die „Freie Wirtschaft“ erinnert, auch nur einen einzigen Euro mehr verdienen sollten als die Kanzlerin, vom Bundespräsidenten einmal ganz zu schweigen. Zusätzlich ein repräsentativer Dienstwagen, um bei Funktionärsbällen nicht unangenehm aufzufallen? Sei’s drum. Das muss es dann aber auch sein. Würden wir die Stelle zu diesen Bedingungen öffentlich ausschreiben, könnten wir uns vor geeigneten Bewerbern nicht retten. Eher sollten wir, um mit den Krankenkassen endlich auf Augenhöhe verhandeln zu können, mit unserem hart erarbeiteten Geld knallharte Manager aus der Wirtschaft zukaufen, damit endlich gute Arbeit herauskommt. Dass mit den Bezügen unserer Spitzenfunktionäre alles in Ordnung ist, weil sie schließlich von den Delegierten abgesegnet worden sind, bleibt das einzige Gegenargument. Es ist allerdings auch das schlechteste, weil es leider tatsächlich so ist. Gleichzeitig wiederum das beste, weil die Delegierten diese Auswüchse auf ihrer nächsten Versammlung in gleicher Weise korrigieren können. Fedderwitz, Eßer und Buchholz überziehen unerträglich. Das Fass ist übergelaufen. Auf die Pferde, Delegierte! meint Dr. Dr. Rüdiger Osswald

Tags: ,

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: