erster Schnee für indische Zahnärztin

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Von der indischen Metropole Mumbai nach Ulm: Drei Monate war Zahnärztin Aditi Lele hier – wegen einer Schraube. Schnee gabs obendrauf.Wegen einer Schraube, die so groß ist wie eine Fingerkuppe, ist Aditi Lele 6447 Kilometer von ihrer Heimat Mumbai nach Ulm gekommen. Drei Monate hat sie hier gelebt, vor allem um zu lernen. Denn die Mini-Schraube ist keine gewöhnliche, sondern sie wird in Kieferknochen eingesetzt, um daran einen künstlichen Zahn zu befestigen. Wie das mit modernsten Methoden gemacht wird, hat die indische Zahnärztin in Ulm studiert.

“Ich durfte bei so vielen Operationen assistieren”, freut sich die 29-Jährige und ergänzt: “Dabei habe ich viel mehr als die reine Technik gelernt.” Zum Beispiel: deutsche Pünktlichkeit. Aditi Lele war immer wieder erstaunt, wie pünktlich Menschen sein können – vom Patienten bis zum Mitarbeiter. Die junge Inderin wird auch was das Praxismanagement angeht einiges in Mumbai ausprobieren, wo sie gemeinsam mit ihrem Vater zwei Zahnarztpraxen betreibt.

In der indischen Mega-City hatte Aditi Lele den Ulmer Zahnarzt Dr. Michael Weiss kennengelernt. Er sprach vor Kollegen über die besondere Implantations-Technik, die er mit entwickelt hat. Aditi Lele war so begeistert, dass sie ihm kurzerhand eine Mail schrieb. Ein reger Austausch entstand, der schließlich in der Einladung mündete, drei Monate an Weiss Klinik zu assistieren.

Ganze drei Tage hatte die Inderin zuvor in Deutschland verbracht. Genauer gesagt in Berlin, während ihrer Hochzeitsreise, die sie durch ganz Europa geführt hatte. Nun also drei Monate Ulm. Außer “Guten Tag” und “Guten Morgen” kannte sie kein Wort Deutsch, vom Schwäbischen ganz zu schweigen.

Doch Aditi Lele lebte sich schnell ein. In einer Klinik, in der 14 Nationalitäten zusammen arbeiten, war sie nichts Besonderes. Mit den Kollegen wurde Englisch gesprochen, nur die Patienten waren manchmal irritiert. Apropos Irritation. Die Inderin war mehr als erstaunt, als man ihr ein Fahrrad zur Verfügung stellte, um von der Gastfamilie in Neu-Ulm zur Arbeit in die Ulmer Innenstadt zu kommen. Noch mehr überraschte sie, dass dieses Unterfangen nur ein paar Minuten dauerte. “In Mumbai brauche ich mindestens 45 Minuten mit dem Auto zur Arbeit”, erzählt sie. Die Dimensionen sind doch ein wenig anders.

Das machte sich vor allem an den Wochenenden bemerkbar, wenn sie nicht arbeitete und – für sie völlig irritierend – die Geschäfte geschlossen hatten: “Es ist so unglaublich ruhig hier.” Kein Wunder: In Mumbai leben 28 500 Einwohner auf einem Quadratkilometer. In Ulm sind es nicht einmal 1000.

Fernab jeder kalten Statistik hat Aditi Lele viele herzliche Begegnungen erlebt. Ob nun in Ulm bei einem Stück Käsekuchen, ihrer neuen Lieblingsspeise, auf dem Oktoberfest in München oder ihren Ausflügen. Doch ihr größter Wunsch erfüllte sich fernab jeder Sehenswürdigkeit am letzten Tag. “Ich möchte endlich mal Schnee fallen sehen”, hatte sie schon kurz nach ihrer Ankunft betont. Am Abend vor ihrer Abreise war das Glück perfekt.

Die indische Zahnärztin ist froh, dass sie nach drei Monaten jetzt ihre Familie wiedersieht. Doch für sie steht fest: “Ich komme wieder. Nächstes oder übernächstes Jahr.

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