Es fehlen 4600 Praxen

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Die Bundesregierung ist alarmiert, weil es rund  zu wenig gibt. Der neue Patientenbeauftragte fordert eine Reform des Studiums: Es soll nicht mehr nur Einser-Abiturienten offenstehen. Der designierte Patientenbeauftragte der Regierung ist eigentlich in der Weihnachtspause. Doch die neuen Meldungen der Kassenärzte rufen Karl-Josef Laumann spontan auf den Plan. Es sind die aktuellen Zahlen zum Ärztemangel, die den CDU-Sozialpolitiker alarmieren: Nach “Welt”-Informationen fehlen bundesweit rund 2600 Hausarztpraxen sowie etwa 2000 Facharztpraxen – gemessen an der Bedarfsplanung der Ärzteverbände zur Sicherstellung der Grundversorgung der Bevölkerung.

Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vom August. Die Kassenärzte hatten zusammen mit Krankenkassen, Kliniken und Patientenvertretern angesichts medizinischer Versorgungslücken vor allem im ländlichen Raum ihre Bedarfsplanung Anfang 2013 nachjustiert: Mit einer detaillierteren Planung sollte der tatsächliche Versorgungsbedarf genauer erfasst werden, damit Anwerbeversuche zur Ansiedlung von Ärzten auf dem Land gezielter greifen können. Doch die jetzt vorliegende erste Zwischenbilanz zeigt: Der gewünschte Erfolg bleibt bislang aus.

Der künftige Patientenbeauftragte Laumann reagierte mit der Forderung nach mehr Medizin-Studienplätzen. “Das Grundproblem ist, dass zu wenig Ärzte ausgebildet werden”, sagte der CDU-Politiker dieser Zeitung. Der Bedarf sei immer weiter gestiegen, weil etwa durch die EU-Arbeitszeitrichtlinie die Zahl der Überstunden pro Arzt begrenzt worden sei. Deshalb müssten so schnell wie möglich neue Modelle für Gemeinschaftspraxen erprobt und mehr Studienplätze bereitgestellt werden.

Vor allem auf dem Land fehlen Ärzte

“Die Universitäten dürfen nicht nur auf Einser-Abiturienten setzen, sondern auch auf andere Abiturienten, die sich für den Hausarztberuf begeistern können”, sagte Laumann. “Hausärzte sind gerade für eine älter werdende Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Denn die einzelnen Patienten auf dem Land sind genau wie die Pflegeheime dort auf hausärztliche Versorgung angewiesen.”

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 52.000 Hausarztpraxen und etwa 66.400 Facharztpraxen, davon fast 22.000 psychotherapeutische Praxen. Doch die meisten Mediziner zieht es in mittelgroße Städte und in die Metropolen, weil sie dort auf eine komfortable Infrastruktur etwa in Sachen Kinderbetreuung und Freizeitangebot setzen können. Auf dem Land bleiben in Ost und West dagegen viele Praxen unbesetzt, wenn ein Arzt in den Ruhestand geht.

Diese Entwicklung hat zum Teil schwerwiegende Folgen, besonders für die älteren Patienten auf dem Land: Fehlt der Hausarzt, bleiben zumeist auch Apotheker und Physiotherapeuten weg. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung geht davon aus, dass bis zum Jahr 2021 bundesweit rund 51.000 Haus- und Fachärzte in den Ruhestand wechseln.

Hartnäckige Versorgungslücken

Seit Jahren versuchen die Ärzteverbände gegenzusteuern, allerdings halten sich die Versorgungslücken hartnäckig. “Die Kassenärztlichen Vereinigungen tun bereits sehr viel, um Mediziner für die Niederlassung zu gewinnen”, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der “Welt”. So würden den Ärzten Umsatzgarantien und Investitionshilfen von den Vereinigungen angeboten. “Manche richten komplette Praxen ein. Doch entscheidend ist auch die Attraktivität des Standorts”, so Stahl. “Hier müssen Kommunen ein Standortmarketing betreiben wie bei der Ansiedlung von Betrieben.”

Auch der neue Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) soll sich darum kümmern. Im Koalitionsvertrag heißt es, zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung sollten Anreize zur Niederlassung von Ärzten in unterversorgten Gebieten verbessert und die Zulassung von Kliniken zur ambulanten Versorgung sollte erleichtert werden. Die Stiftung Patientenschutz rief die KBV zur Selbstauflösung auf, wenn diese ihren Sicherstellungsauftrag weiterhin nicht erfülle.

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