Rabiater Zahnarzt muss vier Monate in Haft

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Man kann nur hoffen, dass ein 44-jähriger Zahnarzt, der sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Schönau wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten musste, mit seinen Patienten weniger brutal umgegangen ist, als er dies mit seiner 74-jährigen Kollegin, deren Praxis in Zell er übernehmen sollte, am 20. August 2013 machte.Eine viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung wurde ihm denn auch als Quittung für sein brutales Vorgehen von Amtsrichterin Ulrike Götz auferlegt. Dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist, ergab sich schon aus den im Bundeszentralregister aufgeführten einschlägigen Delikten, die er in den letzten Jahren in Deutschland und der Schweiz begangen hatte. Laut Anklage des Staatsanwalts soll der 44-jährige Zahnarzt nach einer verbalen Auseinandersetzung mit seiner 74-jährigen Kollegin diese erst heftig durchgeschüttelt, und ihr dann mehrere Schläge auf die Wangen und eine heftige Kopfnuss versetzt haben. Diese Vorwürfe wurden jedoch vom Angeklagten bestritten.

Die als Zeugin geladene geschädigte Zahnärztin schilderte die Vorfälle an besagtem Tattag aus ihrer Sicht. So habe sie aus Altersgründen dem Angeklagten als ihrem Nachfolger die Praxis gegen einen angemessenen Kaufpreis übergeben wollen. Vereinbart sei gewesen, dass sie noch bis Ende 2013 Behandlungen ihrer Stammpatienten durchführen und sich dann ganz zurückziehen werde. So hätten der Angeklagte und sie jeweils getrennte Behandlungsräume genutzt. Allerdings sei der 44-jährige Zahnarzt von Anfang an nur unregelmäßig in der Praxis aufgetaucht und die von ihm eingestellte Zahnarzthelferin habe Patienten mehrmals vertrösten und sogar wegschicken müssen. Auch am 20. August 2013 sei er vormittags wieder nicht erschienen.

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Deshalb habe ihr die Zahnarzthelferin, die nicht untätig sein wollte, bei einer Behandlung assistiert. Als der Angeklagte dann erst mittags in die Praxis gekommen sei, habe er seine Praxisangestellte wegen der Assistenz bei seiner Kollegin lautstark beschimpft. Daraufhin sei die Zahnärztin hinzugekommen, um den Sachverhalt zu klären. Der Angeklagte habe sie jedoch gleich gepackt, sie brutal durchgerüttelt, und ihr mehrere Schläge auf die Wangen und einen Kopfstoß verpasst.

Ein Patient habe sich schließlich eingemischt und den Angreifer abgedrängt. Mit Kopfschmerzen und völlig aufgelöst habe sie sich aus Angst dann in der Toilette eingesperrt. Noch heute leide sie wegen dieser Tätlichkeit unter Angstzuständen, Kopfschmerzen und gelegentlichen Gleichgewichtsstörungen. Der von ihr konsultierte Arzt habe mehrere Hämatome im Brust- und Gesichtsbereich attestiert. Zudem legte die Geschädigte als Beweismittel eine bei dem Angriff beschädigte Brille sowie einen Body mit abgerissenem Träger vor.

Die als Zeugin geladene Zahnarzthelferin bestätigte das aggressive Verhalten und den Angriff des Angeklagten auf die Zahnärztin, einen Kopfstoß habe sie allerdings aus ihrer Position nicht erkennen können. Als weiterer Zeuge kam der Patient zu Wort, der sich eingemischt hatte. Er habe im Wartezimmer zunächst lautes Schreien vernommen und sei daraufhin in den Gang geeilt. Dort habe er gesehen, wie der Angeklagte die Frau schüttelte und mit beiden Händen auf sie einschlug.

Dabei habe er auch den Kopf ruckartig nach unten bewegt, was er als Kopfstoß gedeutet habe. Er sei sofort dazwischen gegangen und habe den 44-jährigen Angeklagten abgedrängt, an die Wand gedrückt und dort fixiert, bis sich dieser etwas beruhigt habe. Nachdem ihm der Angeklagte Hausverbot erteilt habe, habe er vor dem Haus die Polizei verständigt. Sein Notruf sei aber vom diensthabenden Polizeiposten nicht ernst genommen worden. Vielmehr habe man ihm geraten, sich aus der Sache herauszuhalten.

Nach der Beweisaufnahme mit Vernehmung der Zeugen forderte der Staatsanwalt für den Angeklagten eine dreimonatige Haftstrafe, die auf Grund des umfangreichen Vorstrafenregisters nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Kopfnuss sei nicht eindeutig nachgewiesen. Der Nebenkläger schloss sich in seinem Plädoyer dem geforderten Strafmaß des Staatsanwalts an, sah aber auch einen Kopfstoß als erwiesen an.

Amtsrichterin Ulrike Götz verurteilte dann den 44-jährigen Zahnarzt auch wegen seiner schlechten Sozialprognose zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung und Übernahme der Gerichtskosten.

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