Ein Zahnarzt, der nicht arbeiten darf, weil die Ukraine nicht EU-Mitglied ist

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Roudi Hassan ist Zahnarzt, darf aber keiner sein. Der 28-jährige Syrer ist Asylant, seit er im September 2012 vor den Militärs in seiner Heimat geflüchtet ist. In der Ukraine hat er seine Ausbildung gemacht, zwei Jahre lang hat er in einer Ordination in Syrien gearbeitet. Als er von Schleppern außer Landes gebracht wird, waren in seinem Rucksack ein paar Kleidungsstücke, Papiere und sein Arztdiplom. Weil die Ukraine aber nicht bei der EU ist, zählt das in Österreich wenig. Hassan, der Kurde, der unbedingt arbeiten wollte, der Menschen helfen wollte und fliehen musste, landete im Erstaufnahmezentrum Thalham. Ganz unten.

Hassans Familie schlug sich in die Türkei durch, seither wartet man, dass der Krieg in Syrien aufhört. Kontakt gibt es selten, aber regelmäßig. Der junge Mann verliert nur kurz die Orientierung. “Ich habe beim WIFI Deutschkurse gemacht. Ich habe sie selber bezahlt, denn ich wollte nicht warten, bis ich vom AMS die Kurse bezahlt bekomme.” Bald kann er sich gut verständigen. Deutsch ist die sechste Sprache, die der Arzt beherrscht.

Bedürftiger wird Samariter

Obwohl er es eigentlich ist, der Hilfe braucht, geht Hassan zum Samariterbund, arbeitet freiwillig und ehrenamtlich. “Dort habe ich viele österreichische Freunde kennengelernt. Das war sehr wichtig für mich”, sagt der 28-Jährige. Bei der Volkshilfe in Linz erhält er Hilfe, unter anderem wird ihm eine kleine Wohnung vermittelt. Dankbar ist Roudi Hassan vor allem seiner Betreuerin Sylvia Kaltenegger.

Hassan will arbeiten, stellt sich beim AKH Linz vor und kann unentgeltlich als Gastarzt in der Kieferchirurgie bei Primar Michael Malek arbeiten. Seit 26. Mai ist er in diesem Spital als zahnärztlicher Assistent für 20 Wochenstunden angestellt: “Beim AKH sind sie wie eine Familie für mich. Von der Krankenschwester bis zum Primar.”

“Ich brauche keine Sozialhilfe”

Weil er unbedingt unabhängig sein will – “Ich bin jung. Ich brauche keine Sozialhilfe” –, sucht der Zahnarzt derzeit noch eine zweite Teilzeitstelle. Die größte Hürde ist allerdings die Nostrifikation, also die Anerkennung seiner ukrainischen Diplome in Österreich. Zwei bis drei Jahre müsste er nach derzeitigem Stand noch einmal studieren, um hier als Zahnarzt arbeiten zu können: “Ich verstehe das nicht. Ich habe alle Diplome und Praxiserfahrung. Wenn die Ukraine bei der EU wäre, dann könnte ich schon arbeiten. Das ist nicht logisch.”

Wo seine Zukunft liegt? Im Herzen hat er sich schon entschieden: “Ich liebe Linz.”

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