„Schritt in Richtung Staatsmedizin“ : Zahnärzte kritisieren neuen Praxis-Betrieb in Sögel

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Die Einrichtung und der Betrieb einer Praxis für Allgemeinmedizin durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vor mehr als einer Woche in Sögel ist bei der Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN) nicht mit Begeisterung aufgenommen worden.

„Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Staatsmedizin“, sagte Dr. Ulrich Keck, Vorsitzender der Bezirksstelle Ostfriesland der ZKN. „Die KV macht sich damit zum Büttel der Politiker, die durch Schaffung neuer medizinischer Versorgungszentren die freiberuflich tätigen Ärzte nach und nach abschaffen wollen“, so Keck.

Der Zahnarzt aus Weener sieht in einer Pressemitteilung dabei durchaus die Probleme der KV bei der Erfüllung des Sicherstellungsauftrages für die ambulante medizinische Versorgung der Menschen in Niedersachsen. „Es lassen sich gerade in ländlichen Regionen zu wenige Ärzte, aber auch zu wenige Zahnärzte nieder.“ Die Entwicklung werde sich in den kommenden Jahren weiter verschlechtern: „In den kommenden zehn Jahren geht eine Vielzahl von Ärzten und Zahnärzten in den Ruhestand, und die frei werdenden Stellen werden längst nicht alle wiederbesetzt werden.“

Die Lösung seien „weder Medizinische Versorgungszentren noch Polikliniken wie in der früheren DDR“, denn beide Systeme, die „ideologischer Unvernunft entsprungen“ seien, funktionierten nicht. Einzig die Freiberuflichkeit in der ärztlichen und zahnärztlichen Praxis sei ein zukunftsfähiges Modell, „denn das hat sich in der Vergangenheit hervorragend bewährt“. Erst seit sich die Politik mit immer neuen scheinbaren Reformen in die Krankenversorgung einmische, sei es zu den Problemen gekommen, die jetzt alle beklagten. Nach Kecks Auffassung muss die Politik dafür sorgen, dass die von den Medizinern erbrachten Leistungen in vollem Umfang von den Krankenkassen bezahlt werden.

Stattdessen müssten Ärzte und Zahnärzte mit begrenzten Mitteln auskommen, sollten dafür aber unbegrenzte Leistungen erbringen. „Das kann nicht funktionieren, und es funktioniert ja auch nicht mehr“, so Keck. Deshalb sei ein Wegfall der Budgetierungen bei gleichzeitiger Direktabrechnung medizinischer Leistungen mit den Patienten der einzig wirklich zukunftsfähige Weg. „Aber dazu braucht es politischen Mut und den ernsthaften Willen, das System der gesetzlichen Krankenversicherung im Interesse der Patienten zu reformieren.“

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