Schweizer Zahnarztkette zockt Patienten ab und findet das völlig “normal”

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Das Schweizer Zahnarztzentrum verrechnet seinen Kunden für zahntechnische Leistungen überhöhte Preise. GF Hürlimann findet das Völlig normal, der Ökonom  bestreitet vielmehr sämtliche Vorwürfe. Er betont, man mache «nichts Unrechtes». Schliesslich seien Preisaufschläge auf eingekauften Gütern in der Marktwirtschaft «völlig normal». Bei den 10 Prozent handle es sich bloss um einen Mengenrabatt. Jetzt gerät die Firma ins Visier der Behörden.

Mit über 30 Standorten in der Schweiz ist das Schweizer Zahnarztzentrum mittlerweile die grösste Zahnarztkette der Schweiz. So erfolgreich das Unternehmen ist, so fragwürdig ist seine Verrechnungspraxis. Wie die «Sonntagszeitung» berichtet, zahlen Patienten für zahntechnische Leistungen weit mehr, als sie eigentlich müssten.

Der Zeitung liegen Dokumente vor, in denen das Zahnarztzentrum die Labore anweist etwa für Brücken oder Kronen 10 Prozent höhere Beträge, als sie effektiv für ihre Leistungen erhalten, zu verrechnen. Die Kosten trägt der Patient. Die Differenz fliesst in die Kasse des Zahnarztzentrums.

CEO Christoph Hürlimann hat dieser Geschäftspraxis vor zwei Wochen mit einem Schreiben «an alle unsere Labore» Nachdruck verliehen: «Falls Sie sich nicht an diese Regeln halten wollen, würden wir dies zwar sehr bedauern, müssten aber die Zusammenarbeit per sofort einstellen.» Kurz: Wer nicht spurt, fliegt raus.

Staatsanwaltschaft Freiburg bearbeitet Fall

Mehrere Labore bestätigen die Geschäftspraxis des Zahnarztzentrums, Experten vermuten, dass diese illegal ist. In Freiburg, einem der Standorte der Kette, hat das Gesundheitsamt die kantonale Staatsanwaltschaft informiert. Auch im Kanton Zürich laufen laut Kantonszahnärztin Teresa Leisebach Abklärungen.

Etwa, ob das Zahnarztzentrum mit seinem System gleich mehrere Gesetze bricht. Möglich wären gemäss Leisebach «der Tatbestand der versuchten Anstiftung zu Beihilfeschaft zu Urkundenfälschung oder der Tatbestand der versuchten Anstiftung zu Beihilfeschaft zu Betrug».

Auch in St. Gallen, wo das Zahnarztzentrum seinen Hauptsitz hat, ist der Kantonszahnarzt skeptisch. Das Schreiben zeige möglicherweise, dass das Zahnarztzentrum in den «Geschäftsbeziehungen zu den einzelnen Laboren sowie in ihrem Auftragsverhältnis zu den einzelnen Patienten mit unlauteren Mitteln operiert», sagt Beat Wider der «Sonntagszeitung».

Hürlimann: «Völlig normal»

Ökonom Hürlimann bestreitet sämtliche Vorwürfe. Er betont, man mache «nichts Unrechtes». Schliesslich seien Preisaufschläge auf eingekauften Gütern in der Marktwirtschaft «völlig normal». Bei den 10 Prozent handle es sich bloss um einen Mengenrabatt.

In einem Schreiben lässt das Unternehmen mitteilen, dass der Mengenrabatt wegen des Inkasso-Risikos nicht an Kunden weitergegeben wird. Schliesslich würden nicht alle Kunden ihre Rechnungen zahlen, die Labore würden jedoch immer vom Zahnarztzentrum ausbezahlt werden. Schliesslich betont die Firma, dass ihre Kunden nicht mehr für eine Krone bezahlen, als bei anderen Anbietern – auch wenn der Grosskundenrabatt nicht weitergegeben wird.

Das Zahnarztzentrum ist mit 300‘000 Patienten, fast 600 Angestellten und einem Jahresumsatz von 78 Millionen Franken Branchenleader. Hürlimann vergibt zahntechnische Arbeiten an rund 50 Labore.

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