wenn die Young Docs mal richtig die Sau rauslassen

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Mediziner-Festival in Thüringen – da freut sich die Presse: Halbnackte Medizinstudenten, kostümierte Humanies, zu Elektromusik tanzende youngdocs: die Medimeisterschaften haben ihr eigenes Flair. Auch wenn man das eigentlich nicht schreiben darf. Doch daran hält sich keiner, vor allem Spiegel Online nicht, das dieses Event für sich entdeckt hat.Ein Freitagnachmittag im Juni 2015, mitten auf dem Flugplatz Obermehler, tief in der Thüringer Provinz: Zwei junge Männer in Blaumännern und Warnwesten stehen auf dem Rollfeld, beugen sich über eine orangefarbene Zementtrommel und saugen daraus Cola-Bier durch riesige Strohhalme an.

Daneben tanzen drei Pandas und fünf Mönche zu elektronischer Musik. Ein Auto mit dröhnender Musik fährt im Schritttempo vorbei, auf der Motorhaube thront der riesige Kopf eines Einhorns, aus den Hintertüren wachsen glitzernde Flügel.

Die Bauarbeiter, die Pandas und die Mönche haben etwas gemeinsam: Es sind verkleidete Medizinstudenten. Sie sind in den deutschen Osten gereist, um bei den sogenannten Medimeisterschaften mal ordentlich die Sau rauszulassen. Offiziell steht bei der karnevalistisch anmutenden Sause ein Fußballturnier im Mittelpunkt, bei dem fast alle deutschen Medizinfakultäten gegeneinander antreten. Inoffiziell handelt es sich aber mehr um eine Art Spring Break für Nachwuchsärzte. Es geht also in erster Linie ums Partymachen und alles, was dazugehört.

“Wenn wir mal feiern, dann eskaliert es”

Etwa 10.000 angehende Ärzte und Ärztinnen sind mal wieder angereist, eine davon heißt Nora Hoehn. Sie ist mit dem Bus aus München gekommen und sitzt an einem Nachmittag des viertägigen Spektakels vor ihrem Fünfmannzelt. Eigentlich, sagt Hoehn, habe sie zu Hause genügend zu tun: Sie studiert im vierten Semester, im Sommer steht ihr Physikum an. “Trotzdem hätte ich es mir nie verziehen, die Medis zu verpassen”, sagt sie. “Wir Mediziner machen einfach alles zu 100 Prozent. Und wenn wir mal feiern, dann eskaliert es eben – so wie hier.”

Hoehn ist zum zweiten Mal dabei, die Fußballspiele interessieren sie nicht, sie spricht von einem Beiprodukt. Deshalb wird sie auch in diesem Jahr nicht mitbekommen, wie sich die Marburger Herren und die Regensburger Damen gegen insgesamt 107 Mannschaften durchsetzen werden. Wie viele andere wird sie die meiste Zeit mit einer Bierdose in der Hand über das Rollfeld des Flugplatzes Obermehler spazieren oder zu wummernden Bässen tanzen, bis die Sonne aufgeht.

Was während der Medimeisterschaften passiert, ist nicht verwerflich, trotzdem ist es den meisten Teilnehmern lieber, wenn die Öffentlichkeit so wenig wie möglich davon erfährt. “Wir wollen keine Fotos von leicht bekleideten Medizinstudenten mit der Überschrift ‘Sind das die Ärzte von morgen?'”, sagt Veranstalter Tobias Heising. Der 30-Jährige arbeitet als Assistenzarzt in der Kardiologie in Osnabrück, er ist am Montag direkt nach einem 24-Stunden-Dienst nach Thüringen gefahren, um gemeinsam mit seinem Partner Friedemann Egender den Aufbau zu organisieren.

Wochenlang werden die Kostüme und Autos gestaltet

Auch die teilnehmenden Fakultäten investieren viel Zeit in die Organisation der “Meisterschaften”. Jede Uni überlegt sich ein Thema, unter dem dann übers Festivalgelände gerockt wird. Wochenlang werden dazu Kostüme und manchmal auch Fan-Autos gestaltet, die an Karnevalswagen erinnern und oft mit DJ-Pulten und Megaboxen ausgestattet sind. Dieses Jahr gehen einige Studenten als Bob der Baumeister, andere haben sich weihnachtlich zurechtgemacht. Die Bonner Studenten entschieden sich in Anspielung an die Pegida-Bewegung für das Motto “Bagada – Bonner Akademiker gegen die Akademisierung der Anderen”.

Veranstalter Egender hat in Kiel studiert und steht mitten in seinem Praktischen Jahr, nächste Station ist die Anästhesie in einer Berliner Klinik. Vom Aufbau in der prallen Sonne ist seine Haut verbrannt, ein Träger seiner Arbeitslatzhose hängt lässig herunter. Seit vier Jahren organisieren er und Heising die Medimeisterschaften, in ihrer Freizeit, oft abends nach der Arbeit. “Du kannst ruhig schreiben, dass wir wahnsinnig sind”, sagt Egender während eines Gesprächs im Flugtower und zieht an seiner Zigarette. Sein Handy klingelt ununterbrochen, mal brennt ein Mülleimer, mal stauen sich die ankommenden Autos. Ob er selbst Spaß habe während der Medimeisterschaften? Er denkt nicht lange nach, bevor er sagt: “Spaß habe ich vor allem, wenn sich andere amüsieren.”

Die Idee, Mediziner Fußball gegeneinander spielen zu lassen, stammt nicht von Heising und Egender. Schon 2002, als die beiden noch nicht einmal ihr Abi in der Tasche hatten, gab es ein kleines Turnier für angehende Ärzte, aber es kamen nur ein paar Hundert Leute. Die Veranstaltung wurde in den Jahren danach in anderen Städten wiederholt, und als die beiden Kommilitonen Heising und Egender die Medimeisterschaften 2012 nach Kiel holten, kamen über 2000 Spieler und Fans. Die Kieler hatten bei der Organisation offenbar ein glückliches Händchen bewiesen.

Ein Freitagnachmittag im Juni 2015, mitten auf dem Flugplatz Obermehler, tief in der Thüringer Provinz: Zwei junge Männer in Blaumännern und Warnwesten stehen auf dem Rollfeld, beugen sich über eine orangefarbene Zementtrommel und saugen daraus Cola-Bier durch riesige Strohhalme an.

Daneben tanzen drei Pandas und fünf Mönche zu elektronischer Musik. Ein Auto mit dröhnender Musik fährt im Schritttempo vorbei, auf der Motorhaube thront der riesige Kopf eines Einhorns, aus den Hintertüren wachsen glitzernde Flügel.

Die Bauarbeiter, die Pandas und die Mönche haben etwas gemeinsam: Es sind verkleidete Medizinstudenten. Sie sind in den deutschen Osten gereist, um bei den sogenannten Medimeisterschaften mal ordentlich die Sau rauszulassen. Offiziell steht bei der karnevalistisch anmutenden Sause ein Fußballturnier im Mittelpunkt, bei dem fast alle deutschen Medizinfakultäten gegeneinander antreten. Inoffiziell handelt es sich aber mehr um eine Art Spring Break für Nachwuchsärzte. Es geht also in erster Linie ums Partymachen und alles, was dazugehört.

“Wenn wir mal feiern, dann eskaliert es”

Etwa 10.000 angehende Ärzte und Ärztinnen sind mal wieder angereist, eine davon heißt Nora Hoehn. Sie ist mit dem Bus aus München gekommen und sitzt an einem Nachmittag des viertägigen Spektakels vor ihrem Fünfmannzelt. Eigentlich, sagt Hoehn, habe sie zu Hause genügend zu tun: Sie studiert im vierten Semester, im Sommer steht ihr Physikum an. “Trotzdem hätte ich es mir nie verziehen, die Medis zu verpassen”, sagt sie. “Wir Mediziner machen einfach alles zu 100 Prozent. Und wenn wir mal feiern, dann eskaliert es eben – so wie hier.”

Hoehn ist zum zweiten Mal dabei, die Fußballspiele interessieren sie nicht, sie spricht von einem Beiprodukt. Deshalb wird sie auch in diesem Jahr nicht mitbekommen, wie sich die Marburger Herren und die Regensburger Damen gegen insgesamt 107 Mannschaften durchsetzen werden. Wie viele andere wird sie die meiste Zeit mit einer Bierdose in der Hand über das Rollfeld des Flugplatzes Obermehler spazieren oder zu wummernden Bässen tanzen, bis die Sonne aufgeht.

Was während der Medimeisterschaften passiert, ist nicht verwerflich, trotzdem ist es den meisten Teilnehmern lieber, wenn die Öffentlichkeit so wenig wie möglich davon erfährt. “Wir wollen keine Fotos von leicht bekleideten Medizinstudenten mit der Überschrift ‘Sind das die Ärzte von morgen?'”, sagt Veranstalter Tobias Heising. Der 30-Jährige arbeitet als Assistenzarzt in der Kardiologie in Osnabrück, er ist am Montag direkt nach einem 24-Stunden-Dienst nach Thüringen gefahren, um gemeinsam mit seinem Partner Friedemann Egender den Aufbau zu organisieren.

Wochenlang werden die Kostüme und Autos gestaltet

Auch die teilnehmenden Fakultäten investieren viel Zeit in die Organisation der “Meisterschaften”. Jede Uni überlegt sich ein Thema, unter dem dann übers Festivalgelände gerockt wird. Wochenlang werden dazu Kostüme und manchmal auch Fan-Autos gestaltet, die an Karnevalswagen erinnern und oft mit DJ-Pulten und Megaboxen ausgestattet sind. Dieses Jahr gehen einige Studenten als Bob der Baumeister, andere haben sich weihnachtlich zurechtgemacht. Die Bonner Studenten entschieden sich in Anspielung an die Pegida-Bewegung für das Motto “Bagada – Bonner Akademiker gegen die Akademisierung der Anderen”.

Veranstalter Egender hat in Kiel studiert und steht mitten in seinem Praktischen Jahr, nächste Station ist die Anästhesie in einer Berliner Klinik. Vom Aufbau in der prallen Sonne ist seine Haut verbrannt, ein Träger seiner Arbeitslatzhose hängt lässig herunter. Seit vier Jahren organisieren er und Heising die Medimeisterschaften, in ihrer Freizeit, oft abends nach der Arbeit. “Du kannst ruhig schreiben, dass wir wahnsinnig sind”, sagt Egender während eines Gesprächs im Flugtower und zieht an seiner Zigarette. Sein Handy klingelt ununterbrochen, mal brennt ein Mülleimer, mal stauen sich die ankommenden Autos. Ob er selbst Spaß habe während der Medimeisterschaften? Er denkt nicht lange nach, bevor er sagt: “Spaß habe ich vor allem, wenn sich andere amüsieren.”

Die Idee, Mediziner Fußball gegeneinander spielen zu lassen, stammt nicht von Heising und Egender. Schon 2002, als die beiden noch nicht einmal ihr Abi in der Tasche hatten, gab es ein kleines Turnier für angehende Ärzte, aber es kamen nur ein paar Hundert Leute. Die Veranstaltung wurde in den Jahren danach in anderen Städten wiederholt, und als die beiden Kommilitonen Heising und Egender die Medimeisterschaften 2012 nach Kiel holten, kamen über 2000 Spieler und Fans. Die Kieler hatten bei der Organisation offenbar ein glückliches Händchen bewiesen.

Seitdem geht es nicht nur besuchermäßig immer weiter nach oben – auch was das Programm angeht, wächst die Veranstaltung jedes Jahr ein bisschen. Neu in 2015: ein Umzug mit allen Fan-Fahrzeugen und große Bühnen, auf denen DJs und Bands aller Stilrichtungen auftreten. Bei den Musikern handelt es sich um teilnehmende Medizinstudenten – das spart Kosten. Sowieso wird trotz der hohen Besucherzahlen erstaunlich viel improvisiert bei den Medimeisterschaften. Heising und Egender ziehen die Fan-Fahrzeuge zum Teil mit eigenen Händen auf das Gelände.

In der Zwischenzeit haben die beiden Nachwuchsärzte sogar eine eigene Medimeisterschaften-Firma gegründet, um nicht mehr privat haften zu müssen, wenn was schief geht. Das brachte ihnen Kritik ein: Die beiden Jungs würden sich am Spaßturnier bereichern, wurde behauptet. Dieser Vorwurf traf sie hart. “Von unseren Einnahmen könnten wir nicht überleben”, sagt Heising. Die beiden Veranstalter lieben, was sie tun, immer wieder sprechen sie von ihrem Baby.

Auch eine andere Gruppe ist ganz begeistert von den Medimeisterschaften: die Wirtschaft, speziell Pharma- und Finanzbranche. Viele der Festivalbesucher werden später gut verdienen, sie sind also eine ideale Zielgruppe für Werbung. So ist es kein Wunder, dass nicht Bierbrauereien das Wochenende sponsern, sondern vor allem seriöse Buchverlage und Vermögensberatungen. Auch mit dabei: die Stiftung ambulante Versorgung Thüringen. Die bemüht sich darum, junge Mediziner für die Arbeit auf dem Thüringer Land zu begeistern.

Auf dem Flugplatz hat die Stiftung eine Hüpfburg aufgebaut und verteilt Kondome. Geschäftsführer Jörg Mertz hofft darauf, dass die Besucher eines der Verhüterli in ihren Taschen finden, wenn sie erst einmal zu Hause ausgenüchtert sind. “Vielleicht erinnern sie sich dann daran, wie schön es bei uns in Thüringen war – und lassen sich hier als Mediziner nieder.” Möglich aber auch, dass die Rechnung nicht aufgeht – und zu Hause keine thüringischen Kondome mehr übrig sind.

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