Das Märchen von den 4.000 geschädigten Babys

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Die tatsächlichen Daten sind wesentlich harmloser

Dieser schockierende Vergleich ist jedoch blanker Unsinn. Die brasilianische Gesundheitsbehörde hat die Kriterien für die Meldung eines “Verdachts” bewusst sehr weit gefasst, um möglichst nichts zu übersehen. Beispielsweise gilt jede Schwangere, die einen unklaren Ausschlag bekommt, als Verdachtsfall. Gemeldet werden auch alle Ultraschalluntersuchungen in Arztpraxen, bei denen ein zu kleiner Kopfumfang gemessen wird. Diese Zahlen sind zudem übertrieben, weil unter Schwangeren und ihren Ärzten in Brasilien derzeit die blanke Angst regiert und viele sicherheitshalber alles melden, um keinen geschädigten Fetus zu übersehen. Davon abgesehen ist die Ultraschallmessung des Schädelumfangs im Mutterleib viel fehleranfälliger als die eindeutige Diagnose der Mikrozephalie bei Neugeborenen, mit denen die WHO die Zahlen vergleicht.

Im Vergleich zu den WHO-Zahlen sehen die tatsächlichen Daten, die das brasilianische Gesundheitsministerium auf seiner Website veröffentlicht, wesentlich harmloser aus. Von den 4.180 Meldungen, die bis 23. Januar 2016 bei der Behörde eingingen, wurden bislang nur 732 überprüft. Davon wurden 63 Prozent, also 462 vermeintliche Fälle, sofort aus der Liste gestrichen, weil sie nicht einmal den weitgefassten Kriterien des Melderegisters entsprachen. Bei den verbleibenden 270 Meldungen besteht aufgrund von Ultraschall-, Röntgen- oder Laboruntersuchungen der begründete Verdacht auf eine Verkleinerung des Schädels oder eine infektiöse Schädigung des Nervensystems. Bei sechs dieser Fälle wurde das Zika-Virus nachgewiesen.
Aufgeräumt wird, bis die Touristen fort sind

Dass Zika, ähnlich wie Röteln, neurologische Schäden beim ungeborenen Kind verursachen kann, ist aufgrund der korrigierten Daten anzunehmen. Allerdings werden diese Schäden nur bei einem kleinen Teil der infizierten Schwangeren auftreten. Das Risiko ist viel geringer, als es die WHO mit ihren horrenden Zahlen glauben macht.

Es ist also bislang nicht zu erkennen, dass die Weltgesundheitswächter bei Zika eine bessere Figur als bei Ebola machen. Und die brasilianischen Soldaten werden nur so lange die Hinterhöfe aufräumen, bis der Karneval vorüber ist und die Touristen abgereist sind.

Bleibt zu hoffen, dass die jetzt begonnene Impfstoffentwicklung bei Zika schneller vorankommt als bei Dengue, gegen das nach jahrzehntelangen Fehlschlägen erst im vergangenen Dezember ein Impfstoff zugelassen wurde. Wenn die Forschung sich jetzt endlich auch um den armen Verwandten von Gelbfieber und Dengue kümmert, hat die Panikmache der WHO immerhin auch etwas Gutes bewirkt

 

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