“Zahnarzt des Grauens” quälte Patienten

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“Nur eine kleine Spritze”

Sie nennen ihn den “Metzger”, den “Schlächter”, den “Zahnarzt des Grauens”: Zahnarzt ist der Niederländer Mark van Nierop tatsächlich, doch im Prozess gegen ihn erzählen seine Patienten Ungeheuerliches. Als Jacobus Marinus, genannt Mark van Nierop, im November 2008 ins französische Château-Chinon kommt, sind die Menschen dort begeistert. Endlich hat der Ort wieder einen Zahnarzt. Ein niederländischer Headhunter hatte den Mann angeworben, van Nierops Praxis ist von morgens um sieben bis in den späten Abend geöffnet. Sogar an Samstagen kann man sich behandeln lassen.

 

Inzwischen hat van Nierop als “Zahnarzt des Grauens” schreckliche Berühmtheit erlangt und muss sich für seine äußerst zweifelhaften Behandlungsmethoden vor Gericht verantworten. Ihm drohen zehn Jahre Gefängnis und 150.000 Euro Geldstrafe. Dabei gehen die Vorwürfe weit darüber hinaus, dass van Nierop kein besonders fähiger Zahnarzt war.

 

“Ich wollte nur eine Zahnspange haben, aber plötzlich gab er mir sieben oder acht Spritzen. Und dann zog er acht Zähne in nur einer Sitzung. Ich habe drei Tage lang Blut gespuckt”, erzählte die 65-jährige Sylviane Boulesteix dem Sender “France TV info”. Die Frau, die im März 2012 behandelt wurde, ist eines von 120 Opfern, die gegen van Nierop aussagen. Rückschauend meint sie, sie wäre beim Tierarzt besser aufgehoben gewesen.

 

Schwere Verletzungen

 

Was die Zeugen im Gerichtssaal von Nevers berichten, reicht, um auch Hartgesottenen eine lebenslange Angst vor dem Zahnarzt zu bescheren. Die Patientinnen und Patienten kamen mit den üblichen Problemen, eine lockere Füllung hier, ein bisschen Karies da. Van Nierop habe dann mit der Behandlung begonnen, er sagte immer denselben Satz in schlechtem Französisch: “Nur eine kleine Spritze”.

 

Während seine Opfer schliefen, verrichtete er offenbar sein unheilvolles Werk. Eine Frau, die zur professionellen Zahnreinigung gekommen war, erwachte mit abgeschliffenen Zähnen und verletztem Gaumen. Bei einer anderen, die neue Füllungen wollte, wurden die Nerven von sieben gesunden Zähnen abgetötet. Eine 20-Jährige hatte eine kariöse Stelle an einem Zahn, van Nierop bohrte in insgesamt 17 Zähnen.

 

Die Folgen waren für die Patienten verheerend. Einige verloren bis zu 16 Zähne, in den Gutachten ist von gebrochenen Kiefern die Rede, von entzündeten Wunden, die sich bis in die Knochen hinein zogen. Als immer häufiger Opfer des “Zahnarztes des Grauens” Hilfe bei anderen Zahnärzten suchten, kamen die Untersuchungen in Gang. Dabei stellte sich heraus, dass es bei van Nierop nicht nur an den Behandlungsmethoden mangelte, sondern auch bei den Abrechnungen. Von einen Patienten ließ er sich bar bezahlen. Bei anderen wurden aus wenigen Besuchen über 100. Plötzlich war klar, wie das große Auto, die maßgeschneiderten Anzüge und der gutgefüllte Weinkeller finanziert wurden.

 

Grausam und pervers

 

Zudem stellte sich heraus, dass gegen van Nierop bereits in den Niederlanden ein Disziplinarverfahren lief: wegen “fahrlässigen medizinischen Verhaltens, überhöhter Gebühren und Unterschlagung medizinischer Daten”. Es wurde nicht weiter verfolgt, weil van Nierop nach Frankreich ging. Ende 2012 schloss van Nierop seine Praxis in Château-Chinon, angeblich, weil sein rechter Arm nach einer Verletzung gelähmt war. Im Ort zeigte er sich nur noch mit Schlinge, doch die Verletzung hat es nie gegeben. Als 2013 ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, floh er nach Kanada.

 

Dort wurde er 2014 verhaftet, zunächst an die Niederlande und später an Frankreich ausgeliefert. Zu dieser Zeit behauptete van Nierop, er habe seine erste Ehefrau ermordet, er selbst sei transsexuell und leide an Depressionen und habe sich umbringen wollen. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass davon irgendetwas stimmt. Der Tod seiner Frau wurde als Selbstmord eingestuft.

 

Die psychologischen Gutachter beschreiben van Nierop als “narzisstische Persönlichkeit” mit einem “großen Mangel an Mitgefühl”. Van Nierop habe seine “grausame und perverse Seite” an seinen Patienten ausgelebt, wohl wissend, dass er ihnen Leiden verursachte. Seine Opfer hoffen auf Gerechtigkeit, doch mehr als ein hartes Urteil werden sie kaum bekommen. Für Schadenersatz stehen die Chancen schlecht. Van Nierop ist bankrott, seine Versicherung verweigert ebenso die Zahlung wie ein französischer Opferfonds.

 

Quelle: n-tv.de

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