Dank neuen Geräten und digitalen Arbeitsprozessen können Zahnärzte mehr Patienten durch ihre Praxen schleusen.

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Echt? Sowas gibt es schon? OK, die Neue Zürcher Zeitung weiß Bescheid! In einem Grundsatzartikel befasst sich die renomierte Zürcher Tageszeitung mit der Zahnbranche vor allem aus Sicht der beiden Schweizer Firmen Straumann und Coltene. Interessante Aussagen dabei wie: In gewissen Praxen ist es laut Schaufelberger schon üblich, dass eine geübte Zahnarztgehilfin das Modellieren am Computer übernimmt, während sich der Zahnarzt in der Zwischenzeit des nächsten Patienten annimmt.”

lassen aufhorchen. Ansonsten darf man sich gerne selber ein Bild vom Geschehen machen:

 

 

Laut Umfragen lösen Zahnarztbesuche bei rund 70% der Schweizer Bevölkerung Angstgefühle aus. Als besonders unangenehm gelten Behandlungen im Bereich des Zahnersatzes. Wer eine neue Krone benötigt, musste dafür bis anhin oft lange auf dem Zahnarztstuhl ausharren und meist auch mehrere Konsultationen in Kauf nehmen.

Verlierer sind die Dentallabors

Wegen des grossen Arbeitsaufwands gehen neue Kronen nach wie vor ins Geld. Dennoch hat sich die Dauer der Behandlung in vielen Praxen beschleunigt, was vor allem der steigenden Digitalisierung zu verdanken ist. Die Dentalbranche, die mit Verbrauchsmaterialien und Ausrüstungsgegenständen weltweit einen Umsatz von rund 24 Mrd. Fr. erwirtschaftet (vgl. Grafik), zählt nämlich zu den Wirtschaftssektoren, die am stärksten ihre Kunden bei der Umstellung auf elektronische Prozesse unterstützen.

Beim Zahnarzt bedeutet die Digitalisierung, vereinfacht ausgedrückt, dass er zwar noch wie früher mit geschultem Blick feststellt, ob der Patient eine neue Krone benötigt, und gewissermassen alles «Schlechte» manuell entfernt. Danach modelliert er jedoch direkt am Computer den Zahnersatz, nachdem er das Gebiss mit einem sogenannten Intraoral-Scanner vermessen hat. Die Daten des vom Rechner erstellten Modells werden im nächsten Schritt an eine Fräsmaschine übermittelt, welche die neue Krone aus Keramik oder Verbundwerkstoff direkt in der Praxis vollautomatisch fertigt. Danach muss die Krone nur noch eingesetzt werden.

Zahnärzte versprechen, dies alles in nur einer Stunde oder sogar noch schneller zu erledigen. Die neue Behandlungsmethode ist für sie lukrativ, weil sie, wie Martin Schaufelberger, Konzernchef des Ostschweizer Herstellers von Verbrauchsmaterialien für Zahnärzte, Coltene, ausführt, den Aufwand für die Herstellung einer Krone nicht mehr einem externen Dentallabor abführen müssen, sondern dem Patienten direkt verrechnen können. Hinzu kommt, dass sie weniger Zeit mit einem einzelnen Patienten verbringen. In gewissen Praxen ist es laut Schaufelberger schon üblich, dass eine geübte Zahnarztgehilfin das Modellieren am Computer übernimmt, während sich der Zahnarzt in der Zwischenzeit des nächsten Patienten annimmt.

Hohe Investitionskosten

Bis Patienten dank den neuen Verfahren nicht nur weniger Leidenszeit erfahren, sondern auch von günstigeren Tarifen profitieren, dürfte es noch eine Weile dauern. Die Behandlungen haben sich für sie kaum verbilligt. Zahnärzte, die ihre Praxen mit den neuen Geräten aufgerüstet haben, sind auf zusätzliche Einnahmen angewiesen, um ihre Aufwände zu amortisieren. Die gesamten Kosten für die Anschaffung liegen zurzeit, wie Manager Schaufelberger vorrechnet, bei 60 000 bis 100 000 Fr. Dabei handelt es sich um eine Investition, die vor allem für allein praktizierende Zahnärzte eine bedeutende Belastung darstellt.

Dennoch wird wie bei fast jeder neuen Technologie auch bei Zahnärzten der Druck steigen, Effizienzgewinne an die Kunden weiterzugeben. Wie in anderen Gesundheitsbereichen herrscht auch in der Ausrüstung von Zahnarztpraxen in Industrieländern ein zunehmender Preisdruck. Das Marktwachstum beschränkt sich im herkömmlichen Geschäft auf wenige Prozente. Mit Produkten, die auf die neue digitale Welt zugeschnitten sind, lassen sich dagegen zusätzliche Einnahmen erwirtschaften.

Unternehmen wie Coltene und der Basler Hersteller von Zahnimplantaten Straumann machen sich dies zunutze und betreiben einen grossen Aufwand, um ihre Aktivitäten im Bereich der neuen elektronischen Hilfsmittel auszubauen. Straumann wagte bereits vor zehn Jahren durch den Kauf der damaligen deutschen Startup-Gesellschaft Etkon den Einstieg in das Geschäft mit Zahnprothesen, die mittels CAD/CAM-Verfahren (Computer-Aided Design and Manufacturing) entwickelt und hergestellt werden.

Mittlerweile betreibt der Konzern in Deutschland, den USA und in Japan auch eigene Zentren für das Fräsen von Kronen oder Brücken, vertreibt Intraoral-Scanner (an einem Produzenten, der kanadischen Firma Dental Wings, ist Straumann seit Mitte 2015 mehrheitlich beteiligt) und bietet auch Fräsmaschinen (des deutschen Herstellers Amann Girrbach) für den Einsatz in Zahnarztpraxen und in Dentallabors an. Jüngst gab der weltgrösste Anbieter von Zahnimplantaten zudem bekannt, einen Anteil von 35% am ebenfalls deutschen Produzenten von 3-D-Druckern Rapid Shape zu erwerben.

Kronen bald aus dem Drucker?

Die Dentalbranche zählt auch im Bereich der sogenannten additiven Fertigung, die auf dem Einsatz von 3-D-Printern beruht, zu den Pionieren. Bereits werden Gebissmodelle gedruckt statt im Labor gegossen. Auch Schablonen, die Zahnärzten das präzise Arbeiten beim Bohren für den Einsatz von Implantaten erleichtern, stammen aus dem Drucker. Coltene arbeitet laut eigenen Angaben in Partnerschaft mit einem anderen Unternehmen an einem 3-D-Printer für die Herstellung von Kronen. Dabei wird eine ähnlich lange Produktionszeit wie beim Fräsen angestrebt, wobei das Drucken jedoch den Vorteil hat, dass nur so viel Material zum Einsatz gelangt, wie tatsächlich benötigt wird.

Wie viel Umsatz auf die Unterstützung der Digitalisierung in Zahnarztpraxen entfällt, geben sowohl Straumann als auch Coltene nicht preis. Beide Firmen betonen indes, dass dieses Geschäft stark an Gewicht zunehme. Die Verkäufe bleiben allerdings noch weitgehend auf Industrieländer mit hohen Lohnkosten beschränkt. In Schwellenländern bieten Labors herkömmlich gefertigte Kronen für wenige Franken an.

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