Falscher Zahnarzt blitzt vor Gericht ab – Richter verdoppelt Busse

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Seine Bewilligung reicht nur für die Arbeit als Zahnarzt-Assistent. Das hat einen 35-Jährigen nicht davon abgehalten, auf eigene Rechnung zu bohren. Ein erstinstanzliches Urteil zog er weiter. Das Bezirksgericht erhöhte die Busse jetzt massiv.Der Mann ist seit 2013 in einem Zahnarzt-Zentrum in der Stadt Zürich angestellt. Zwar verfügt er über eine Grundausbildung, sie reicht aber nicht für eine Bewilligung als Zahnarzt aus. Die Gesundheitsdirektion hat ihm im Dezember 2013 lediglich eine Arbeitsverfügung als Zahnarzt-Assistent ausgestellt. In einem Pensum von 60 Prozent.

Doch das interessiert den 35-Jährigen aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden nur wenig. Zwischen Oktober 2014 und Februar 2017 soll er wissentlich und willentlich als Zahnarzt an Zähnen gebohrt und rumgeflickt haben. Selbständig und auf eigene Rechnung. Zu diesem Schluss kam bereits das Statthalteramt des Bezirks Zürich im Januar 2019 und verurteilte ihnwegen gewerbsmässiger Ausübung des Zahnarztberufs ohne Berufsausübungsbewilligung. So steht es in einem Strafbefehl, der «Bluewin» vorliegt.

Ersatzforderung von 66’000 Franken

Der Beschuldigte setzt sich zur Wehr und legt Rekurs gegen das Urteil ein. Vor dem Zürcher Bezirsgericht kam es am Mittwoch deshalb erneut zum Prozess.

Doch welche Eingriffe hat der Beschuldigte bei seinen Patienten tatsächlich vorgenommen? Gemäss Strafbefehl sind es nicht weniger als 4’000 Positionen im Zahnarzttarif. Er hat Schmelzätzungen durchgeführt, Zähne entfernt, gebohrt und Zahnfüllungen eingesetzt.

Ein weiterer Vorwurf des Statthalteramtes: Der Beschuldigte habe wiederholt Betäubungsmittel wie Marihuana, Kokain und Heroin konsumiert. Ein Teil der Drogen ist bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt worden.

Der Weiterzug brachte dem Beschuldigten wenig Glück. Der zuständige Richter kam bezüglich der illegalen Tätigkeit als Zahnart zum gleichen Schluss wie die Vorinstanz. Darüber hinaus erhöhte er die vom Statthalteramt ausgesprochene Busse um das Doppelte. «Sie gaben zu Protokoll, dass sie heute rund 10’000 Franken pro Monat verdienen», sagte er bei der Urteilsbegründung zum Beschuldigten. Und da sich die Busse immer auch nach dem Einkommen richte, «war der Betrag, den die Vorinstanz angesetzt hat, deutlich zu tief.» Ebenfalls um 4’000 Franken erhöht wurde die Ersatzforderung. Der 35-Jährige muss nun 70’000 Franken, die er durch seine illegale Tätigkeit als Zahnarzt erwirtschaftet hat, dem Staats zurückzahlen.

Einzig bei der Anklage wegen des Konsums von Betäubungsmitteln liess der Richter Milde walten. «Hier können wir nicht genau beziffern, wie gross die konsumierte Menge effektiv war. Darum belassen wir es bei einer Verwarnung.»

Der Appenzeller mit türkischen Wurzeln, der sein Studium der Zahnmedizin im lettischen Riga abgeschlossen hat, war über das Urteil wenig erfreut. Sein Anwalt kündigte direkt nach der Urteilsverkündung an, den Fall ans Zürcher Obergericht weiterzuziehen.

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