den Phantomsaal ausgeräubert

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Der Einbruch war schon im November, damals drang nichts nach außen. Erst jetzt, durch eine Ausschreibung auf der Onlineplattform simap.ch. Dort können Bund, Kantone und Gemeinden öffentliche Ausschreibungen publizieren, auf die sich Unternehmen bewerben können. Im vorliegenden Fall stammt der Eintrag vom Kanton Bern. Denn er muss die gestohlenen Instrumente ersetzen.

Demnach drangen die Täter in den sogenannten Phantomraum der Zahnmedizinischen Klinik auf dem Insel-Areal ein. Dabei handelt es sich um einen Unterrichtsraum, der mit Simulationsplätzen für angehende Zahnärzte ausgestattet ist. Dort wurden diverse Instrumente gestohlen, auch die Antriebsmotoren der Geräte entwendeten die Diebe.

Für die Lernenden hat dies Konsequenzen: «Die eigentlich vorgesehenen Inhalte müssen im weiterhin laufenden Studienjahr alle nachgeholt werden», sagt Ammann. Ersetzt werden die gestohlenen Geräte durch den bisherigen Anbieter. Den Zuschlag erhielt die Schweizer Firma in einem freihändigen Verfahren, wie dem Simap-Eintrag zu entnehmen ist. «Die meisten Materialien konnten bereits ersetzt werden», so Ammann.

Weil der Kanton Strafanzeige eingereicht hatte, wurde die Kantonspolizei aktiv. Dort gibt es jedoch nicht viel Erhellendes zu hören, da die Ermittlungen noch im Gang seien. Laut Kapo-Mediensprecher Christoph Gnägi sind Einbruchdiebstähle in Arzt- und Zahnarztpraxen im Kanton eher selten. Zu den möglichen Tätern meint er: «Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine professionelle Täterschaft handeln dürfte.»

Endstation Osteuropa

Eine Kurzrecherche im Internet zeigt, dass Einbrüche in Zahnarztpraxen jenseits der Kantonsgrenzen gar nicht so selten sind. So kam es laut NZZ zwischen 2006 und 2010 in der Deutschschweiz zu rund 120 Einbrüche in Arzt- und Zahnarztpraxen. Die Deliktsumme: über 10 Millionen Franken. Die Täter: eine kriminelle Organisation, deren Chefs sich vermutlich im Ausland aufhalten.

Zu diesem Schluss kam eine polizeiliche Sondereinheit mit dem passenden Namen «Karies». Auch aus Deutschland finden sich zahlreiche Meldungen. «Sogar die Bohrer sind weg», titelte die Boulevardzeitung «Bild» vor fünf Jahren über einen Fall aus dem Ruhrgebiet. Ein Branchenkenner meinte dazu: «Diese Geräte werden sogar bei Ebay angeboten.» Viele davon würden in osteuropäischen Praxen landen.

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