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Zahnarzt Dr. T. bohrt wieder – Angestellte zieht vor Arbeitsgericht

February 29, 2008

Die Patienten waren konsterniert, als sie Ende Januar in der City vor verschlossener Tür standen. Praxis ausgeräumt, Zahnarzt weg – so der Westen.

Inzwischen bohrt Herr Dr. wieder. So fleißig, dass er gestern nicht zum Termin ins Arbeitsgericht kam. Eine der ehemals sieben Zahnarzthelferinnen – mittlerweile assistiert lediglich eine Mitarbeiterin an einem Behandlungsstuhl – hat sich gegen die fristlose Kündigung vom 25. Januar gewehrt. Als Grund der Kündigung wurde genannt, dass eine Ausübung ihres Berufes nicht mehr möglich sei, da ja die Praxis leer sei. In einer Nacht- und Nebelaktion hatte die Leasingfirma, die vergeblich auf ihr Geld gewartet hatte, Behandlungsstühle und Gerätschaften abgeholt. Seitdem steht die 25-jährige Helferin auf der Straße. Ein Jahr lang war sie mit sechs ebenfalls gekündigten Kolleginnen in der Praxis beschäfttig. Vor Gericht kämpft sie jetzt um ihren Lohn. “Ich habe ja noch nicht mal das Geld für Januar, und da war ich ja fast den ganzen Monat da.” Was für sie undenkbar ist: “Dort noch einmal zu arbeiten. In dieser Praxis sehe ich für mich keine Zukunft.” Diese Konsequenz hat auch die ehemalige Geschäftspartnerin des Zahnarztes für sich gezogen. Die junge Zahnärztin – auch sie gehört als ehemaliger Arbeitgeber zu den Beklagten – versicherte gestern im Prozess, nichts von den finanziellen Schwierigkeiten ihres Kompagnons geahnt zu haben. Auch sie sei jetzt ruiniert. Im Gegensatz zu ihrem Partner erschien die Zahnmedizinerin gestern zum Gerichtstermin. Und hörte, dass die fristlose Kündigung, die sie Ende Januar mitunterschrieben hatte, aus formalen Gründen unwirksam sei. “Beide Gesellschafter müssen das Original unterzeichnen”, erklärte Gerhard Stiens, Direktor des Arbeitsgerichtes, in der Güteverhandlung. “Doch Sie haben die Kündigung nur auf einem Fax unterschrieben, das geht nicht.” Für die Helferinnen müsse nun eine “saubere, fristgerechte Kündigung” erreicht werden, erklärte Richter Stiens. Und empfahl der Mitarbeiterin, zum nächsten Mal auch mit einem Anwalt zu erscheinen. Am 9. Mai, zum Kammertermin, sollte dann auch der Zahnarzt den Bohrer aus der Hand legen. Für sein unentschuldigtes Fehlen gestern muss er bereits 50 Euro Ordungsgeld zahlen.

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